Gottes Liebe spüren | Markus 5,24-34
- 07.11.2026 -
(7. November 2026, Pfarrer Ingo Meißer, Evangelische Kirche Steinen)
Himmelwärts
Kann man Gottes Liebe tatsächlich spüren? Nicht nur als Gedanken oder Überzeugung, sondern so, dass sie im eigenen Leben wahrnehmbar wird? Eine Frau kämpft seit zwölf Jahren mit ihrer Krankheit, als eine kurze Berührung alles verändert. Ihre Begegnung mit Jesus führt zu einer größeren Frage: Auf welchen Wegen können Menschen Gottes Nähe und Kraft auch heute erleben?
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In diesem Himmelwärts-Gottesdienst gehen wir dieser Frage ganz praktisch nach. Im Mittelpunkt steht die Begegnung Jesu mit einer Frau, die seit zwölf Jahren unter ihrer Krankheit leidet. Eine einzige Berührung verändert alles: Sie wird geheilt und Jesus spürt, dass Kraft von ihm ausgegangen ist.
In seiner Predigt fragt Ingo Meißner, auf welchen Wegen wir Gottes Nähe auch heute wahrnehmen können: im Gebet und Gottesdienst, in Musik, besonderen Momenten der Schöpfung, einem inneren Ziehen, durch andere Menschen und manchmal auch ganz körperlich.
Predigttext: Markus 5,24-34
Lieder im Gottesdienst:
- FJbo 76: Keiner ist wie du (Niemand sonst berührt mein Herz so wie du) CCLI-Nr.: 5275557
- FJbo 116: Oceans (Where feet may fail) CCLI-Nr.: 6428767
- FJbo 110: Jesus, berühre mich (Nur den Saum deines Gewandes) CCLI-Nr.: 4334499
- FJbo 172: Ich singe dir ein Liebeslied (In deinem liebenden Arm) CCLI-Nr.: 5229527
- FJbo 54: Darum jubel ich dir zu (Wiesen und Berge) CCLI-Nr.: 5483129
- FJ4 195: Herr aller Hoffnung CCLI-Nr.: 4931706
CCLI-Liedlizenz 5100265
Gottes Liebe spüren
Himmelwärtsgottesdienst
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You call me out upon the waters... Du rufst mich raus in tiefe Wasser...
Ein Glaubenswagnis eingehen. Darum geht im Lied «Oceans». Mutig vorangehen. Auch wenn der Wind mir hart entgegen bläst. Darauf dann zu vertrauen, dass Jesus, dass Gott, dass sein Heiliger Geist mich nicht verlassen, sondern da sind. Mich tragen. Wo ich seine Kraft, seine Stärke, seine Zuwendung spüre. Dass ich merke: ja, ich bin getragen. Dass ich merke: Gott gibt es. Seine Kraft steht auch mir bei. Deswegen werde ich nicht absaufen, sondern bleibe über Wasser. Getragen von ihm.
Immer wieder machen Menschen die Erfahrung, spüren hautnah, wie sehr Gott für sie ist. Dass seine Kraft auch in ihrem Leben wirksam wird. Heilsam, zurechtbringend, liebevoll zugewandt.
Eine dieser Kraft-Geschichten, wo Jesus spürbar wirkt und um die es heute gehen soll, ist eigentlich eine Nebenerzählung.
Eine Nebenerzählung meint: da gibt es die Hauptstory und so nach dem Motto – ach ja, da auch noch das Folgende passiert – wird diese Geschichte wie beiläufig erzählt, um dann wieder zur Hauptgeschichte überzuleiten.
Die Hauptgeschichte ist die Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers. Also eine Art Vorsitzender des dortigen Kirchengemeinde. Er heisst Jairus.
Seine Tochter ist krank. Todkrank. Jairus bittet Jesus auf Knien, zu kommen und ihr zu helfen.
Jesus lässt sich bewegen und geht mit.
Eine große Menschenmenge folgt ihm. Endlich ist mal wieder was los im Ort. Eine Sensation deutet sich an. Alle wollen dabei sein.
Die ersten zücken ihre Handys und filmen, Blitzlichtgewitter, wie Jesus sich inmitten der vielen Menschen aufmacht.
Es ist ein Gedränge wie auf einem Rockkonzert in den ersten Reihen. Ein Schieben, ein Drücken und ein Drängeln.
Jesus kommt nur sehr langsam voran.
In der Zwischenzeit stirbt die Tochter. Es war anscheinend vom Krankheitsbild dramatischer als alle dachten. Jairus droht im Wind und den Wellen der Gefühle unterzugehen.
Doch Jesus kann dennoch helfen. Jairus und seine Angehörigen gehen nicht im Gefühlschaos und im Leid unter, sondern erleben, wie Jesus die Tochter wieder lebendig macht.
Jesus hat Kraft. Lebensspenden Kraft. Und am Ende wird alles gut. Ein Happy End. Sie erleben: «Keiner ist wie du». So wie es eben auch im Lied gesungen haben.
Doch nun zur Nebengeschichte. Sie spielt auf dem Weg zu Jairus Haus.
Wie gesagt: es ist ein Drücken und Drängeln. Jesus kommt nur sehr schwer vorwärts.
Wir hören nun die Geschichte. Sie steht im Markusevangelium, Kapitel 5, Verse 24-34:
„Da ging Jesus mit Jairus. Eine große Volksmenge folgte ihm und umdrängte ihn.
Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt. Sie hatte bei vielen Ärzten viel durchgemacht und alles dafür ausgegeben, was sie besaß. Aber es hatte nichts genützt – die Blutungen waren nur noch schlimmer geworden.
Die Frau hatte von Jesus gehört.
Sie drängte sich in der Volksmenge von hinten an ihn heran und berührte seinen Mantel. Denn sie sagte sich: »Wenn ich nur seinen Mantel berühre, werde ich gesund.«
Im selben Augenblick hörte die Blutung auf. Sie spürte, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.
Jesus merkte sofort, dass Kraft von ihm ausgegangen war.
Er drehte sich in der Volksmenge um und fragte: »Wer hat meinen Mantel berührt?«
Seine Jünger antworteten: »Du siehst doch, wie die Volksmenge sich um dich drängt. Und da fragst du: ›Wer hat mich berührt?‹«
Doch Jesus blickte sich um, um zu sehen, wer ihn berührt hatte.
Aber die Frau fürchtete sich und zitterte. Sie wusste ja, was mit ihr geschehen war.
Sie trat vor, warf sich vor ihm nieder und erzählte ihm alles.
Er aber sagte zu ihr: »Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden. Du bist endgültig von deinem Leiden befreit.«“
Soweit diese Nebengeschichte. Direkt danach wird die Sache mit Jairus weitererzählt und wie Jesus die Tochter von Toten auferweckt.
Schauen wir nochmals auf die Geschichte mit der Frau.
Sie hatte große gesundheitliche Probleme. Das schon über Jahre. 12 Jahre steht hier. Fast so lange, wie ihr Konfis alt seid. Was sie genau hatte, wird nicht ganz klar. Nur dass es wohl so schlimm war, dass sie von Arzt A zu Arzt B rannte und alles unternahm, um Heilung zu finden.
Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich kenne auch Personen, die mit schwer erkennbaren Krankheit zu tun haben. Die auch von Arzt zu Arzt gehen. Und verbittert, traurig, frustriert, enttäuscht oder auch verärgert sind. Weil keiner richtig helfen kann. Und bei all dem viel Zeit drauf geht.
Immer wieder neu Termine machen. Therapien ausprobieren, Medikamente schlucken. Nur um nach Wochen oder Monaten zu merken, dass das auch wieder nichts genützt hat.
Und dann wieder ein neuer Arzt. Zum zweiten, dritten oder vierten mal dieselbe Geschichte erzählen, dieselben Untersuchungen gemacht zu bekommen. Und wieder ohne Erfolg am Ende. So ein Frust, so ein Ärger. So eine Enttäuschung.
So auch bei der Frau. Und viel Geld hat sie auch für die Ärzte gezahlt. Haus und Hof gingen drauf. Ihr ganzes Vermögen. Ohne Erfolg.
Die Frau in unserer Geschichte ist Teil der großen der Menschenmenge. Sie sieht Jesus. Drängelt sich zu ihm durch.
Sie sagt sich:
»Wenn ich nur seinen Mantel berühre, werde ich gesund.«
Und so geschieht es. Sie berührt den Saum seines Gewandes. Und sofort wird sie gesund.
Es heisst:
„Im selben Augenblick hörte die Blutung auf. Sie spürte, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.“
Jesus merkte trotz des großen Gedrängels, dass irgendetwas passiert war. Er merkte, dass da durch seine Kraft ein Mensch geheilt worden war, ohne dass Jesus diesen selbst berührt und angesprochen hatte.
„Wer hat mich berührt?“
fragt er dann in die Runde.
Seine Jünger sind ratlos. Vor lauter Menschengedränge haben sie keine Ahnung, wer ihn da angefasst hatte. Es kommen einfach zu viele in Frage.
Die Frau offenbart sich Jesus. Sie fühlt sich ertappt, als ob sie etwas Falsches, etwas Freches, etwas Ungebührliches getan hatte. Doch sie traut sich, es Jesus zu sagen.
Und Jesus scheint sich zu freuen, dass sie ehrlich ihm gegenüber ist. Er sagt dann:
»Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden. Du bist endgültig von deinem Leiden befreit.«
Endgültig. Also nicht nur vorübergehende Heilung. Heilung für immer. Wie es dann mit der Frau weitergeht, wissen wir nicht.
Aber sie war sicherlich so happy, dass sie jedem der es hören oder auch nicht hören erzählte. Begeistert davon, dass sie Jesu Kraft spürte. Und für immer heil wurde.
Ein Lied, was dieses Thema aufgreift, werden wir nachher auch miteinander singen. Es heisst dort:
»nur den Saum deines Gewandes einen Augenblick berührn und die Kraft, die von dir ausgeht ,tief in meinem Innern spüren...«
Ja, von Jesus geht Kraft aus. Eine Kraft, die spürbar, die körperlich wahrnehmbar ist. Wo wir auch heute noch merken, ja spüren können, dass Jesus, dass Gott das ist. Auch heute noch lebt und handelt. Für uns da sein möchte.
Weil er uns unendlich lieb hat. Weil er dich unendlich lieb hat.
Voller Mitgefühl für dich und eine Situation.
Wo können wir heute noch Jesu Kraft und seine Liebe für uns spüren? Es körperlich wahrnehmen?
Eine Möglichkeit ist, wenn Kranke wieder gesund werden..
Immer wieder erzählen Menschen mit unheilbaren Krankheiten, also Krankheiten, wo sie von Ärzten keine Hilfe erfahren haben, und dass sie durch Gebet Heilung erlebt haben.
Ich denke da an einem Mann, der durch einen Unfall mit Chemikalien seine Füsse so stark verätzte, dass sie permanent sehr schmerzempfindlich blieben. Sogar nur Socken waren schmerzhaft zu tragen. Und erst recht war das Schuhttragen für ihn unmöglich. Kein Arzt konnte helfen. Er verlor seine Arbeitsstelle als Koch und war fortan berufunfähig. Nur wenn er barfuss lief, geng es einigermassen. So lief er fortan sommers wie winters barfuss herum. Doch schon war es nicht. Und immer wieder schmerhaft. Das ging ein paar Jahre so. Bis er über Freunde eines Tages in Kontakt mit einer christlichen Gemeinde kam.
Nach einiger Zeit liess er sich darauf ein, für sich beten zu lassen.
Und das Wunder geschah: er spürt noch während des Gebets eine übernatürliche Wärme, ein Kribbeln in seinen Füssen. Es fühlt sich nicht wie Körperwärme an, sondern wie eine Energie, die von innen heraus strahlt.
Eine tiefe, überwältigende Gewissheit erfüllte ihn. Ihm war klar: da wirkt Gott gerade heilsam an seinen Füssen.
Und in der Tat: er wurde gesund. Es fing in dieser Gebetszeit an, setzte sich dann die nächsten Tage fort. Und er wurde völlig heil, konnte wieder Schuhe tragen und ein normales Leben führen.
Weil Gott an ihm wunderbar handelte.
Spürbar Jesu Kraft an ihm wirksam wurde.
Wunder-Geschichten dieser Art, oder noch spektakulärer Art gibt es viele. Sie kommen auch heute noch vor. Sogar auch offiziell als Wunder anerkannte Heilungen. Kann man alles im Internet suchen und finden. Vielleicht kennt ihr auch Personen aus eurem Umfeld, die eine wunderbare Heilung erlebt haben.
Gottes Kraft ist auch heute noch spürbar.
Ihn können wir erleben.
Doch nicht nur bei Krankenheilungen ist er spürbar.
In der Vorbereitung zum Himmelwärts kamen uns noch weitere Dinge, wo wir Jesu, seine Kraft und seine Liebe erleben, spüren können.
Da gibt es die Momente der Erhabenheit und Schönheit, wo wir merken: das kommt von Gott. Er ist da. In diesem Augenblick. Bei wunderbaren Sonnenuntergängen am Strand. Auf einem Berggipfel, wenn wir das herrliche Berpanorama erleben. Und wir innerlich jubeln, oder von einem tiefen Frieden erfüllt werden. Gott, seine Kraft, seine Schönheit, seine Gewalt wird spürbar in diesen Momenten.
Spürbar wird Gott auch im Gottesdienst. Wir singen ja z.B. in einem alten Kirchenlied: „Gott ist gegenwärtig“.
So bete ich häufig auch, dass ich sage:
„Herr, du bist da“
Das ist unsere Hoffnung, unsere Erwartung, dass er uns wirklich begegnen, uns berühren, uns anrühren kann.
Also Durch Gebete. Auch durch die Predigt. Durch die Lieder, die wir singen. Ja Lieder und Melodien können eine ganz besondere Kraft entwickeln.
So ging es mir auch die letzten Tage als ich ein für mich neues Lied entdeckte. Das Lied „Mercy“ von Matt Redman. Und ich habe es immer und immer wieder gehört und gemerkt wie Gott durch dieses Lied mich anrührt, mich bewegt. Ich denke, wir werden es in einem der nächsten Gottesdienst mal hören und singen.
Spürbar wird Gott in manchen Situationen auch durch ein inneres „Ziehen“. Das meint, wir fühlen uns innerlich in eine bestimmte Richtung gezogen. Wir sollen in eine bestimmte Richtung gehen.
Ich spüre dann: ich sollte eigentlich dies oder das tun...
Ich sollte vergeben. Ich sollte eigentlich helfen. Ich sollte vielleicht auch etwas Unangenehmes aussprechen, weil es eben richtig ist. Ich sollte eigentlich ja oder auch nein sagen.
Ich sollte eigentlich ehrlich sein. Nicht lügen.
Folgen wir dann der „inneren Eingebung“, dem „Bauchgefühl“?
Auch wenn wir an anderen Stellen beten. Geht zumindest mir so. Wenn ich bete, dann fühle ich mich eng mit ihm verbunden, spüre seine Anwesenheit. Kennt ihr das auch?
Dieses starke Gefühl, dass Gott da ist, In meinem Leben ist. Seine Liebe mich erfüllt. Das können Menschen auch erleben, wenn sie das erste Mal sich ganz bewusst für Jesus entscheiden. Ihm sagen: Ja, Herr, ich will“.
Wer kann sich noch daran erinnern? Wie stark spürtest du in dem Moment und in der darauffolgenden Zeit Gottes Liebe in deinem Leben? Wo du voller Begeisterung warst und dich Gott noch nie so nahe fühltest?
Oder Gott spürbar erleben. Seine Liebe, seinen Zuspruch. Gleich im Anschluss an die Predigt an verschiedenen Stationen.
Da ist die eine Station: Tauferinnerung oder auch auch Taufvergegenwärtigung.
Tauferinnerung für die, die ihre Taufe bewusst erlebt haben.
Taufvergegenwärtigung, die – so wie ich - als Baby getauft wurden und sich insofern auch nicht daran erinnern können. Aber wir können es uns vergegenwärtigen, was Gott damals uns in der Taufe zugesprochen hat.
Ob Erinnerung oder Vergegenwärtigung. Es geht immer um den Liebeszuspruch Gottes: „Ich will mit dir sein – du bist mein geliebtes Kind und nichts und niemand kann dich aus meiner Hand reissen!“ Und sich dies neu zusprechen zu lassen.
Hier am Taufstein. Und wer mag, kann dann von mir ein Wasserkreuz auf Handfläche und Stirn gezeichnet bekommen. Als Erinnerung. Als Vergegenwärtigung. Spürbar Gottes Liebe und Zuspruch in meiner Handfläche und auf meiner Stirn.
An einer anderen Station wird dir von Menschen dort ein wärmender Segen zugesprochen. Wie ein wärmender Mantel kann dich dieser Segen umfangen, sodass sein Segen spürbar für dich wird.
Oder noch eine andere Station: Dort kannst du dich von einem warmen Luftstrom sanft anwehen lassen.
Wie der Geist Gottes auch einmal als Windhauch beschrieben wird. Du kannst dann Worte des Zuspruchs und der Liebe Gottes lesen, auf dich wirken. Gottes Zuspruch und Liebe spüren.
Oder du kannst Gottes Liebe und Nähe auch durch andere Menschen spüren. Hier im Gottesdienst an einer Station, wo du hingehen kannst und dich einfach in den Arm nehmen lassen kannst. Ohne Worte. Aber einfach spürbar. Freundlich. Liebevoll.
Durch diese und viele andere Möglichkeiten kann und wirkt Gott auch heute noch spürbar in dieser, seiner Welt.
Er ist da. Von ihm geht Kraft aus. Wahrnehmbar. Wie damals bei der Geschichte mit der blutflüssigen Frau.
Wie seit damals bei ganz vielen Menschen weltweit.
Gott ist da und wirkt. Auch hier und heute in diesem Raum.
Lasst und darauf vertrauen, ihm glauben, dass es wirklich so ist. Und erlebe seine Kraft, seine Liebe für dich.
Amen