Suchet der Stadt Bestes! | Jeremia 29, 1 - 14
- 25.10.2026 -
(25. Oktober 2026, Pfarrer Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
21. Sonntag nach Trinitatis
Was tun, wenn Menschen oder Situationen uns das Leben schwer machen? „Suchet der Stadt Bestes!“ fordert Jeremia die Menschen im Exil auf. Pfarrer Ingo Meißner zeigt, wie Gebet und Segen unsere Haltung verändern können und warum Gottes Zusage von Zukunft und Hoffnung auch heute trägt.
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Wie gehen wir mit schwierigen Menschen und Situationen um, ohne uns von Ärger, Frust und negativen Gedanken bestimmen zu lassen?
„Suchet der Stadt Bestes!“ – mit diesem Auftrag Gottes an die Israeliten im babylonischen Exil beschäftigt sich die Predigt zu Jeremia 29. Die Menschen sollen gerade dort ankommen, leben, beten und Gutes suchen, wo ihre Situation alles andere als einfach ist.
Pfarrer Ingo Meißner zeigt, was diese Botschaft mit unserem eigenen Leben zu tun hat: Anderen Gutes wünschen, für schwierige Menschen beten und sie segnen kann nicht nur Beziehungen verändern, sondern auch unsere eigene Haltung. Gottes Zusage bleibt dabei: Er hat Gedanken des Friedens und will Zukunft und Hoffnung geben.
Predigt: Jeremia 29, 1–14
Lesung: Markus 2, 23–28
Psalm: Psalm 63 (EG 732)
Lesung: Markus 2, 23–28
Psalm: Psalm 63 (EG 732)
Lieder im Gottesdienst:
- SgidH 71 – Herr, ich komm zu dir (Suche die Veränderung)
- EG 640 – Harre, meine Seele, harre des Herrn
- FJbo 187 – Lege deine Sorgen nieder
- FJ3 177 – Welch ein Freund ist unser Jesus
- SgidH 92 – In Deinem Licht
- EG 394 – Nun aufwärts froh den Blick gewandt
CCLI-Liedlizenz 5100265
Predigt „Suchet der Stadt Bestes!“ - Jeremia 29, 1 - 14
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„Harre meine Seele“ haben wir gerade gesungen. Oder auch in etwas neuerem deutsch: hab Geduld. Sei geduldig. Warte. Auf das Eingreifen Gottes in deiner Situation. Der Liederdichter schreibt im gleichnamigen Lied „Harre meine Seele“: Alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht;
größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott!
größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott!
Ja, grösser als die Not ist der Helfer nicht. Oder: Gott ist immer noch grösser als unsere Herausforderungen. Doch es braucht manchmal Geduld, das zu erkennen.
Über das Thema „Ausharren, auch wenn es Schwierig ist“ geht es auch im heutigen Predigttext.
Ich lese aus dem Buch Jeremia 29, 4 - 14:
„So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels, zu allen Verbannten, die ich in die Verbannung geführt habe, von Jerusalem nach Babel: Baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und esst ihre Frucht, nehmt Frauen und zeugt Söhne und Töchter, und nehmt Frauen für eure Söhne und gebt eure Töchter Männern, damit sie Söhne und Töchter gebären, damit ihr dort zahlreicher werdet und nicht weniger. Und sucht das Wohl der Stadt, in die ich euch in die Verbannung geführt habe, und betet für sie zum HERRN, denn in ihrem Wohl wird euer Wohl liegen (...)
Denn so spricht der HERR: Erst wenn siebzig Jahre erfüllt sind für Babel, werde ich mich um euch kümmern. Dann werde ich mein gutes Wort an euch einlösen und euch zurückbringen an diese Stätte. Denn ich, ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, Spruch des HERRN, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch eine Zukunft zu geben und Hoffnung. Und ihr werdet mich rufen, und ihr werdet kommen, und ihr werdet zu mir beten, und ich werde euch erhören. Und ihr werdet mich suchen, und ihr werdet mich finden, wenn ihr nach mir fragt mit eurem ganzen Herzen. Dann werde ich mich für euch finden lassen, Spruch des HERRN, und ich werde euer Geschick wenden und euch sammeln aus allen Nationen und aus allen Orten, wohin ich euch versprengt habe, Spruch des HERRN, und ich werde euch zurückbringen an die Stätte, von der ich euch in die Verbannung geführt habe.“
Es war echt mühsam für die Israeliten. Israel war endgültig von den Babyloniern vernichtet. Große Teile der Bevölkerung waren als Kriegsgefangene zwangsumgesiedelt.
Sie befanden sich nun in der Fremde, südlich der Stadt Babylon, Vertrieben. Fern von ihrer Heimat. Fern vom Tempel in Jerusalem. Dem sichtbaren Ausdruck der Gegenwart Gottes. Und nun in der Fremde.
Wo war Gott? Sah er sie überhaupt? Nahm er wahr, wie es ihnen geht? Sah er all das Böse, mit dem sie konfrontiert waren?
Die Stimmung in der Fremde gibt der Psalm 137 sehr gut wieder. Dort heisst es (Psalm 137, 1 - 4):
„An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande. Denn die uns gefangen hielten, hießen uns dort singen und in unserm Heulen fröhlich sein: »Singet uns ein Lied von Zion!« Wie könnten wir des HERRN Lied singen in fremdem Lande?“
Das Freudenlied blieb ihnen im Halse stecken.
Doch Gott lässt ihnen über Jeremia Worte der Geduld, aber auch des Trostes übermitteln. Und zeigte Ihnen dadurch: ich bin wirklich bei euch. Sehe euch. Ihr seid mir nicht egal. Und ich habe eine gute Zukunft für euch. Ihr dürft hoffen.
Aber jetzt heisst es erstmal: Koffer auspacken dran. Ankommen. Dableiben. Ausharren. „Harre meine Seele - er hilft doch so gern.“, so wie wir es eben gesungen haben. Gott hilft. Zu seiner Zeit.
Und statt zu klagen, sich zu wehren, Widerstand zu leisten und Böses mit Bösem zu vergelten, weist Gott ihnen einen anderen Weg.
Nämlich:
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, blase nicht ins selbe Horn wie die Gegner, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“
So wie es Paulus im Wochenspruch formuliert.
Wodurch nun das Böse überwinden? „Segnet andere – wünscht Ihnen Gutes!“
Dem möchte jetzt mal näher nachgehen.
Hört nochmal den Vers 7 des Predigttextes, wo Gott den Israeliten gewissermassen etwas ins Stammbuch schreibt:
„Sucht das Wohl der Stadt, in die ich euch in die Verbannung geführt habe, und betet für sie zum HERRN, denn in ihrem Wohl wird euer Wohl liegen.“
Wie soll das denn den Israeliten helfen, mit der schwierigen Situation umzugehen?
Und doch liegt hierin für mich ein Schlüssel, wie wir mit herausfordernden Situationen, mit herausfordernden Menschen um uns herum umgehen können. Wenn uns Böses passiert.
Wenn der Nachbar wieder nervt. Wenn deine Lebensumstände alles andere als zum Jubeln sind. Wenn dir Unrecht passiert. Dir andere böse begegnen. Dich fertig machen wollen. Wenn sich in der Welt Dinge politisch und wirtschaftlich negativ entwickeln.
Wie kann ich mit dem gut umgehen? Nicht daran zu verzweifeln, oder ständig mit der Faust der Tasche, oder in der Haltung des ständigen Ärgers und Empörung herumzulaufen?
Ich sage jetzt: So wie ich über andere denke, wie über Umstände denke, bestimmt meine Stimmung, mein Lebensgefühl.
Nämlich: Menschen mit einem Dauerärger im Herzen, ziehen sich dadurch ständig selbst runter. Und es verschlimmert die Situation unter Umständen eher noch.
Das kenne ich auch aus meinem Leben, wie mächtig solche negativen Gedanken sein können.
Ich sage jetzt aber nicht: „probiers mal mit Gemütlichkeit“ wie Balu der Bär im Dschungelbuch. Oder: jetzt nimms doch nicht so schwer.
Es ist schwer. Und schlimme Dinge schönreden ist auch nicht wirklich zielführend.
Deswegen sagt Gott den Israeliten auch NICHT:
„Jetzt denkt doch einfach mal positiv über die Situation. Ist doch irgendwie auch schön in Babylon. Macht euch doch einfach mal paar schöne Gedanken!“
Aber Gott sagt:
Betet für die Stadt und die Menschen darin. Wenn es der Stadt gut geht, dann wird das auch positive Auswirkungen auf euch haben.
Also seine Empfehlung auf heute gemünzt: fang an im Gebet an schwierige Menschen und Situationen zu denken. An Dinge oder auch Personen, die dir richtig Mühe machen.
Und jeder hat so seine Menschen, mit denen er echt Mühe hat. Oder Herausforderungen, die ihn ans Ende seiner Kraft und Geduld bringen. Aber beten für andere kann wirklich deine Realität verändern. Bete für diese Menschen. Beten für diese oder jene schwierige Situation.
Suchet der Stadt Bestes.
Das klingt jetzt vielleicht zu schön, um wahr zu sein. So einfach soll es sein? Einfach für andere beten? Gutes ihnen zuzusprechen, Gutes zu wünschen?
Genau das meint übrigens das Wort „Segnen“ im ursprünglichen Sinn. Gutes Zusprechen, Gutes anderen wünschen.
Wie soll das funktionieren, wenn doch meine Umstände so schwierig sind? Wenn doch mein Nachbar, meine Arbeitskollegin, mein Partner, meine Schulkollegin einfach so schwierig ist?
Und meine Gefühle eher in Richtung gehen, dem anderen etwas Schlechtes zu wünschen? Das ist übrigens dann das Gegenteil von segnen: anderen etwas Schlechtes wünschen oder zusprechen. Die Bibel nennt das dann „fluchen“.
Gott empfiehlt den Israeliten, die allen Grund zur Verbitterung, Hass, Frust und Enttäuschung gegenüber Ihren Feinden hatten: „Segnet, wünscht den Babyloniern Gutes. Betet für die Stadt. Und der Segen, den ihr weitergebt, den ihr anderen wünscht, wird auf euch zurückfallen.“
Klingt erstmal sehr komisch. Doch bleiben wir mal bei dem Beispiel mit schwierigen Menschen in unserem Leben. Und ich denke, jeder hat mindestens eine solche Person, mit der es eher krampfig zugeht.
Auch mir geht es so. Ich erinnere mich an eine Situation aus dem letzten Jahr, wo es auch schwer für mich war. Wo ein Gespräch mit einer Person anstand und ich wusste: das wird nicht leicht. Es ist übrigens keine Person, die ihr kennen könntet. Die Chemie stimmt einfach nicht zwischen uns, doch mussten wir bestimmte Dinge ansprechen, die sich nicht mehr aufschieben liessen. Anstatt mich zu ärgern und vor dem Gespräch zu drücken, habe ich angefangen für die Situation zu beten, um Gottes Weisheit für dieses Gespräch, dass ich ruhig bleiben und die Dinge, die mir wichtig sind, in einem guten Ton ansprechen kann. Und ich begann um den Segen Gottes für diese Person zu beten. Ihr Gutes zu wünschen. Wie z.B. Kraft für ihren verantwortungsvollen Dienst, dass Gott diese Personen mit seinem Frieden erfüllen möge. Dass er ihnen liebevoll begegnen möge. Dass sie Gottes Realität in ihrem Leben erfahren. Und eine Folge dieses Segnens war: ich wurde innerlich ruhig. Gott schenkte mir nach und nach Frieden, meine negativen Gefühle wurden weniger, ich wurde verständnisvoller für die Situation des anderen. Mit dieser von Gott geschenkten Haltung, verlief das Gespräch positiv und sowohl die Person als auch ich gingen zuversichtlich wieder unsere Wege.
Und auch später noch waren weitere Begegnungen positiv und konstruktiv und er hat sich für mich in der ein oder anderen Situation hilfreich eingesetzt. Ich habe es so empfunden: ich segne, gebe Segen weiter, spreche ihn einer anderen Person zu und Gott veränderte die Situation so, dass ich mit innerem Frieden, Ruhe in die Begegnung gehen konnte, die Atmosphäre zwischen uns verändert wurde und ich gestärkt und ermutigt weitergehen konnte. Segnen bewirkt Segen.
Segne andere – sprich ihnen Gutes zu. Und deine Haltung dieser Person gegenüber kann sich verändern, ja kann sogar etwas richtig Gutes daraus für dich entstehen.
Die Israeliten begannen damals sicherlich auch die Babylonier in einem anderen Licht zu sehen. Konnten ihnen im täglichen Umgang freundlich begegnen, was den Babyloniern wiederum half, auch den Israeliten freundlich zu begegnen. Aus dem Wunsch, der Stadt Bestes zu suchen und für sie zu beten – konnte gutes entstehen. Damals. Und auch heute noch.
Im Anschluss an die Predigt haben wir eine Zeit während des Instrumentalstücks, wo wir Menschen, mit denen wir Mühe haben bewusst innerlich segnen können. Wir können den Namen der Person denken und dann innerlich still beten: „Herr, segne du diese Person. Tu ihr Gutes.“
Und nimm dir vielleicht in der Folge vor, wann immer du an diese Person denkst, nicht die Frust- und Ärgergedanken immerzu zu wälzen und dich dadurch selber runterzuziehen, sondern dann still und kurz zu beten:
„Herr, segne diese Person. Tu ihr Gutes.“
Und lass dich dann von Gott überraschen, wie er frischen Wind in eine vielleicht verfahrene Situation bringt oder auch einen Frieden in dein Herz, den du dir nicht selber einreden kannst.
Und vertraue darauf: Gott hat auch für dich eine gute Zukunft.
Auch wenn die Situation noch so hoffnungslos und verfahren erscheint.
Auch, wenn die Asphaltdecke noch so dick ist, wie auf dem Bild vom Löwenzahn im Asphalt. Er möchte uns immer wieder neu Zukunft und Hoffnung geben.
Dass wir wie wie diese Blume aufblühen können. Er hat Gedanken des Friedens über uns. Das heisst: Er denkt gut über dich und mich. Und er möchte uns begegnen. Mit uns durchs Leben gehen. Da sein, wenn wir ihn darum bitten. Zuhören, wenn wir zu ihm reden. Unsere Realität, die manchmal wirklich schwierig ist, verändern, wenn wir ihn darum bitten.
Er hilft gerne. Ist gerne für uns da. Und das Besondere, was mich persönlich immer wieder erstaunt und neu begeistert: er ist uns trotz allem gut gesinnt. Nicht weil wir so toll, so gross, so stark, so schön sind. Nicht weil wir uns ethisch korrekt verhalten und die richtigen Dinge zur richtigen Zeit denken, sagen und tun. Das ist natürlich schön. Und Gott freut sich sicherlich auch sehr darüber.
Doch die Realität ist häufig: wir fallen hin. Tun Dinge, die wir vielleicht hinterher bereuen. Denken keine friedlichen Gedanken über andere. Begegnen Bösem mit Bösem.
Und dennoch ist Jesus Christus, ist Gott nicht so, wie wir es als Menschen vielleicht täten. Sondern immer wieder neu sagt er seinem Volk damals – den Israeliten – und auch uns heute:
„Auch wenn ihr das Leben allein aus eigener Kraft gestalten wollt und dabei auch immer wieder scheitert. An euch selbst, anderen Menschen oder auch an mir schuldig werdet.
Ich haue nicht auch noch drauf. Ich denke gute Gedanken über euch. Gedanken des Friedens. Und ich möchte euch Zukunft und Hoffnung geben. Trotz allem.“
Nicht erst irgendwann einmal am Ende unseres Lebens. Ja, da auch. Doch auch schon heute und morgen denkt Gott diese guten Gedanken, möchte uns nahe sein. Spürbar nahe sein. Uns begegnen. Er möchte sich finden lassen, wenn wir ihn wirklich suchen.
Und uns mit seiner Geduld, seinem Frieden und seinen guten Gedanken nahe sein. Uns dadurch segnen.
Und wir können diesen Segen weitergeben. Anderen Gutes wünschen. Ihnen auch Gottes Beistand zusprechen. Gute Gedanken denken. Böses mit Gutem vergelten.
Gedanken des Friedens und nicht des Ärgers weiterdenken.
Und so auch schwierige Situationen zum Guten mitverändern.
Gott spricht (29,11):
Ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch eine Zukunft zu geben und Hoffnung.