Gott mit allen Sinnen erleben: Hören
- 10.10.2026 -
(10. Oktober 2026, Pfarrer Ingo Meißer, Evangelische Kirche Steinen)
Himmelwärts
Wie kann ich Gottes Stimme hören, wenn Alltag, Gedanken und Erwartungen ständig dazwischenfunken? In seiner Predigt „Gott mit allen Sinnen erleben: Hören“ spricht Pfarrer Ingo Meißner über äußere und geistliche Störgeräusche, die Suche nach Stille und die unterschiedlichen Wege, auf denen Gott zu uns reden kann. Eine Einladung, die eigenen Antennen neu auf Empfang zu stellen.
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Predigt: Gott mit allen Sinnen erleben: Hören
Bibeltext: 1. Korinther 13, 9 - 13
Lieder:
- EG 168: Du hast uns, Herr, gerufen
- FJ2 22: Das Herz der Anbetung (Die Musik verhallt) CCLI-Nr.: 5227244
- FJ2 189: In der Stille angekommen (Beten) CCLI-Nr.: 4335371
- FJ4 99: Wohin sonst (Herr, wohin sonst sollten wir gehen) CCLI-Nr.: 4681159
- FJ4 195: Herr aller Hoffnung CCLI-Nr.: 4931706
CCLi Liedlizenz 5100265
Gott mit allen Sinnen erleben: Hören
Himmelwärtsgottesdienst
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Störungen. Es ist häufig sehr laut um uns herum und wir fühlen uns gestört, abgelenkt.
Wie Chrissy beim Harfenspiel.
Oder wir wollen uns konzentrieren, auf etwas Schönes hören. Auf Chrissy. Und dann so was eben! Das nervt. Und es braucht dann wieder eine ganze Weile, bis die Konzentration wieder da ist.
Handytöne im Konzert, in einer Seminarveranstaltung, in einem Gottesdienst – sogar auf einer Beerdigung – wer hat so was nicht schon mal erlebt?
Ist mir auch schon mal passiert, dass ich in einer Veranstaltung vergass, das Telefon stumm zu stellen. Und laut und deutlich erklang meine Melodie vom „Ghostrider“. Bis ich endlich das Handy aus der Tasche gezogen und stumm geschaltet habe, dauerte es etwas. War mir dann sehr peinlich.
Seitdem habe ich mein Handy in der Regel immer auf Vibration.
Ach ja, wie ist das bei eurem Handys? Sind die auch stumm, oder solltet ihr besser jetzt nochmal nachschauen?
Oder Personen, die zu spät zu einer Veranstaltung kommen und dann noch meinen, sich möglichst vorne hinsetzten zu müssen.
Oder die - während es gerade superspannend oder schön ist - aufs Klo müssen. Und dann noch ausgerechnet mittendrin sitzen und über alle anderen drübersteigen müssen.
Oder im Gottesdienst sind manche gestört, wenn vor oder hinter ihnen getuschelt und geredet wird.
Störungen.
Es gibt diese unfreiwilligen Störungen. Wo wir einfach nur ruhig zuhören, uns konzentrieren wollen und dann keinen brauchen, der uns dabei ablenkt. Mit egal was.
Dann gibt es auch die sehr willkommenen Störungen. Wenn uns langweilig ist. Z.B. im Unterricht. Oder sowas soll sogar im Gottesdienst vorkommen. Auch bei uns in Steinen. Dann freuen wir uns über jeden noch so kleinen akustischen Ablenkungsimpuls. Sei es Husten, ein Naseputzen, ein Magengrollen, ein Pups, ein Schluckauf, ein Buch oder Stift, der auf den Boden fällt oder anderes. Und wir sind sofort abgelenkt.
Oder es gibt die normalen Geräusche im Alltag, die uns schon gar nicht mehr auffallen, uns aber unterbewusst stressen. Ständiger Autolärm. Laute Musik auf den Ohren. Geräusche vom Gamen. Oder vielleicht doch auch der Lehrer, aus dessen Mund viele Geräusche quellen, die aber gar nicht richtig beim Schüler ankommen, ihn aber dennoch stressen…
Was hilft bei unfreiwilligen Störungen?
Z.B. Kopfhörer – ok. Natürlich nicht dann, wenn man zuhören soll. Wie z.B. in der Schule.
Ich habe so einen tollen, mit Rauschunterdrückung. Wenn ich zu Hause im Wohnzimmer sitze und mir auf dem Ipad was in Ruhe anhören möchte, oder um nicht die Familie zu stören, ist das echt super. Nachteil: ich kann dann alles perfekt ausblenden. Nachteil: ich bekomme nicht mehr mit, auch wenn meine Family irgendwas von mir möchte.
Wie häufig sind sie dann schon zu mir gekommen, haben sich zu mir runtergebeugt mit der Hand vor meinem Gesicht gewedelt, damit mal mitbekomme, was sie wollen.
Und manchmal kann es sogar gut sein, nur so zu tun, als ob man nichts mitbekommt...
Kennt ihr den schon? Ein schwerhöriger älterer Herr, der zu Hause nicht mehr viel von den Gesprächen um ihn herum mitbekommen hatte, geht zum Ohrenarzt. Dort bekommt ein brandneues, superteures Hörgerät angepasst.
Nach einem Monat kommt er zur Nachuntersuchung.
Der Arzt untersucht ihn und ist begeistert: „Ihr Gehör ist jetzt absolut perfekt! Ihre Familie freut sich bestimmt riesig, dass Sie wieder alles verstehen, oder?“
Der alte Mann lächelt verschmitzt, schüttelt den Kopf und sagt: „Oh, ich habe es meiner Familie noch gar nicht erzählt. Ich sitze einfach nur still im Sessel, schalte das Gerät ein und höre ihnen zu. Mein Testament habe ich in diesem Monat schon viermal geändert!“
Mit dem Hören oder auch Zuhören ist das so eine Sache. Mal wollen wir zuhören, und werden gestört. Mal wollen wir nicht zuhören, weil wir gar nicht mitbekommen wollen, was andere sagen.
Mal hören wir Dinge, die wir besser gar nicht hören sollten und die uns dann hinterher noch lange beschäftigen. Vor allen Dingen, wenn hinter unserem Rücken und auch noch negativ geschwätzt wird.
Störgeräusche.
Es gibt auch Störgeräusche, die auf unser geistliches Leben einwirken.
Geistliche Störgeräusche.
Wo wir abgelenkt werden durch dies und das. Und es uns dann schwerfällt, Gottes häufig sehr leises Reden verstehen zu können.
Ja Gott redet. Ihr habt richtig gehört. Er redet.
Wie redet er denn nochmal?
Durch die innere Stimme der Eingebung. Den berühmten Geistesblitz, eine plötzliche Erkenntnis, die mir weiterhilft. Durch unser sogenanntes Bauchgefühl. Wo wir in uns etwas spüren, was richtig oder falsch ist, ohne genau sagen zu können, was es genau ist.
Oder durch einen inneren Frieden, eine Ruhe, eine Freude, eine Kraft, die ich plötzlich erhalte und die ich mir nicht selber machen konnte.
Gott redet durch sein Wort, die Bibel. Ich weiss: immer dann, wenn ich mir die Zeit nehme in der Bibel zu lesen, redet Gott durch Verse oder Geschichten zu mir. Wo ich dann erkenne: das spricht jetzt mich und meine Situation an. Da redet er zu mir durch ein Wort der Ermutigung, der Erkenntnis oder der Ermahnung.
Gott redet auch durch andere Menschen, die mir etwas mitteilen möchten. Das kann durchaus in einem Gottesdienst, oder auch eine Andacht in Konfi oder der Jugendgruppe sein. Oder auch in ganz normalen Begegnungen, wo Gott Menschen und deren Mund benutzt, damit ich ermutigt, gestärkt oder auch mal den Kopf gewaschen bekomme.
Gott redet durch die sogenannten offenen und geschlossen Türen in unserem Leben. Wo es günstige Gelegenheiten gibt. Plötzlich Möglichkeiten da sind, die vorher nicht da waren.
Oder wo uns plötzlich Wege verschlossen sind, die wir eigentlich gehen wollten. Kann z.B. in der Partnersuche vorkommen, oder auch auf der Arbeitsstelle. Oder sonstwo.
Gott redet. Gott sendet. Aber sind unsere Antennen auf Empfang?
Wollen wir ihn überhaupt hören? Darf er in unser Leben hineinsprechen?
Oder können wir ihn nicht hören, weil die geistlichen Störgeräusche einfach zu gross sind?
Geistliche Störgeräusche. Was ist das?
Z.B. immer dann, wenn ich Bibel lesen möchte, kommt irgendwas anderes angeblich Wichtigeres dazwischen. Geht mir in letzter Zeit leider relativ häufig so. Und das nervt. Vor allem weil ich weiss, wie ich eben sagte: immer dann, wenn ich mir die Zeit nehme in der Bibel zu lesen, redet Gott durch Verse oder Geschichten zu mir.
Oder: wir möchten beten und es kommen uns viele andere Gedanken, die uns ablenken. Schöne, wie schwierige. Und ich kann mich nicht mehr auf das Gespräch mit Gott konzentrieren. Weder ihm sagen, was mich bewegt, noch auf sein leises inneres Reden hören.
Oder wir sind in einem Gottesdienst, in einer Kleingruppe der Gemeinde, oder einer Veranstaltung wie Jugendgruppe oder in Konfi. Und ich bin eventuell dann mit meinen Augen, Ohren und Gedanken ganz wo anders. Egal durch was. Ich sehe dann zwar, wie der da vorne seine Lippen bewegt und höre Geräusche aus dem Mund kommen, aber die Message bleibt irgendwie zwischen Trommelfell und Kleinhirn als Ton hängen, dringt aber nicht zu unseren Verstand durch.
Wie kann ich Gottes Stimme hören?
Erstmal: ich muss es wollen. Klingt irgendwie so simpel. Aber daran hängt soviel. Wenn ich keine Erwartung an Gott habe, dann interessiert mich auch sein Reden nicht.
Wenn einen das nicht stört – dann kann ich auch nicht weiterhelfen.
Aber wenn wir merken, wir würden schon gerne wollen, aber bekomme es irgendwie nicht hin. Dann hilft auch es offen Gott zu sagen. Dann kannst du für dich beten lassen – auch hier im Gottesdienst – oder selber für dich Gott bitten, dass du wieder sein Reden hören willst.
Ok, wenn du also soweit bist und dann Gottes Reden wirklich hören willst – wie geht das Hören ohne Störgeräusche gut?
Schauen wir mal wie Jesus es gemacht hat.
Er war ja der geistliche Profi schlechthin. Der geistliche Überflieger. Und dennoch gab es Zeiten in seinem Leben, wo er vor lauter Arbeit schauen musste, dass er mit seinem Vater im Himmel verbunden bleibt. Weiter ihn und sein Reden hört.
Es gibt viele Geschichte, wo er viel tut: vor allem Predigen und Heilen schien seine Hauptbeschäftigung gewesen zu sein. Ständig und überall war er am Machen und tun. Die Leute überrannten ihn fast mit ihrem Problemen, Wünschen und Hoffnungen.
Damit er nicht ausbrennt war es ihm wichtig sich immer wieder zurück zu ziehen, um in der Stille und Ruhe zu beten. Das Gespräch mit seinem Vater im Himmel zu suchen.
Von Jesus lernen heisst, die Ruhe zu suchen.
Jesus zog sich zurück. Er heilte nicht alle Menschen. Immer wieder finden sich auch Geschichten, wo er kurz vor Heilungs-Burnout die Reissleine zieht, die Menschen auch mal stehen lässt und sich zurück zieht.
Er braucht diese geistliche Retrait – den Rückzug, wie es im französischen heisst, oder im englische heisst es „Retreat“. Meint auch den Rückzug. Rückzug, Retraite, Retreat.
Wo hast du deine Ruhemöglichkeiten?
Ist es zu Hause? In aller Stille? In einem schönen Sessel, auf dem Sofa, im Bett?
Oder hilft dir, leise Musik im Hintergrund zu haben? Oder eine schöne Tasse Kaffee oder Tee dazu? Vielleicht gedämmtes Licht und eine schöne Kerze?
Oder ist es zu Hause zu quirlig? Zu lebendig.? Dann geh raus. Schnapp dir deinen oder irgendeinen Hund und lauf los. Und wenn der Hund zu nervig sein sollte. Lass ihn einfach zu Hause... Du darfst natürlich auch ohne Hund loslaufen. Geht auch.
Oder wanderst – wie Jesus – an eine ruhige Stelle. Oder fährst mit dem Fahrrad oder Auto. Egal. Suche und finde den ruhigen Ort.
Beten, also reden mit Gott und Hören, oder auch Bibellesen geht an vielen verschiedenen Stellen. Manche sind allerdings besser geeignet, andere mit mehr Ablenkungspotential.
Da darst du gerne herausfinden, was zu dir persönlich am Besten passt.
Ich bin z.B. der Sesselsitzer- Wander- und Outdoortyp. Zuhause gerne in meinem Sessel mit Tee oder Kaffee und der Bibel.
Beim Laufen kann ich mit Gott reden und ihn ihn konkret Dinge erzählen und dann schauen, wie er mir einen Rat gibt, mich innerlich ruhig macht, oder wieder ganz neu mit seiner Freude und Kraft füllt.
Oder ich suche gezielt Stellen in der Natur auf, wo ich alleine bin, mich hinsetze, nachdenke. Bete und innerlich zur Ruhe kommen kann.
Aber wie gesagt: jeder muss für sich rausfinden, was am Besten geht.
Und wenn geistliche Störgeräusche kommen, dann ist das so. Bitte Gott wieder um innere Ruhe. Dass die ablenkenden Gedanken wieder weggehen, weiterziehen. Oder schreib dir kurz auf, was dich gerade ablenkt. Dann vergisst du es nicht und kannst später daran weiterdenken.
Geistliche Störgeräusche kommen. Aber sie gehen auch wieder.
Und wir dürfen sicher sein: wenn wir von Gott erwarten, dass er zu uns redet, wenn wir darum bitten, dass er reden soll in der ein oder anderen Situation.
Dann wird er reden. Durch eine innere Gewissheit. Durch die Bibel. Durch andere Menschen. Oder durch offen und geschlossene Türen.
Aber eine kleine Warnung spreche ich abschließend auch noch aus:
Überleg dir gut, worum du Gott bittest. Wenn Gott nämlich redet, dann ist es vielleicht nicht immer das, was wir hören wollen.
Manchmal mutet uns Gott auch Dinge zu.
Wenn wir zu Menschen gehen sollen und sie um Verzeihung zu bitten. Keine einfache Geschichte. Fällt mir auch nicht leicht.
Anderen zu helfen, auch wenn ich im Augenblick keinen Bock darauf habe. Aber einfach deswegen, weil sie mich um Hilfe bitten.
Ihr merkt: es gibt auch dieses Reden Gottes, was wir nicht so gerne hören wollen.
Aber das soll uns nicht vom Hören auf Gott und seine Stimme abhalten.
Denn selbst, wenn wir Ungewöhnliches, oder auch Unbequemes hören gilt die Verheißung:
Er wird uns die Kraft dazu geben, die Dinge auch zu tun und er wird bei uns sein – bis ans Ende der Welt. Amen.