Jesus macht 4.000 Menschen satt | Markus 8, 1 - 9
- 04.10.2026 -
Erntedankfest
Sieben Brote, ein paar Fische und 4.000 hungrige Menschen: Jesus sieht ihre Not und schickt sie nicht weg. In seiner Erntedankpredigt fragt Pfarrer Ingo Meißner, was wir von Jesus lernen können, wenn unsere eigenen Möglichkeiten klein erscheinen.
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Beim Erntedankgottesdienst in der Margarethenkirche steht die Speisung der Viertausend im Mittelpunkt. Nach drei Tagen bei Jesus haben die Menschen nichts mehr zu essen. Die Jünger sehen vor allem, wie wenig vorhanden ist: sieben Brote und einige Fische. Jesus sieht die hungrigen Menschen, dankt für das Vorhandene und lässt es austeilen. Alle werden satt.
Pfarrer Ingo Meißner verbindet die Erzählung aus Markus 8,1 - 9 mit vier Fragen für unseren Alltag:
- Gehen wir auf Menschen zu, die anders sind als wir?
- Sehen wir die Not in unserer Nähe und handeln wir?
- Erinnern wir uns in neuen Schwierigkeiten daran, wo wir bereits Hilfe erfahren haben?
- Und was können wir mit dem beitragen, was uns zur Verfügung steht?
Predigt „Jesus macht 4.000 Menschen satt“ zu Markus 8, 1 - 9
(4. Oktober, Pfarrer Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Der Abend großer Musikkonzerte wirft häufig schon seinen Schatten voraus. Je nach Beliebtheit der Band bilden sich große Schlangen der Fans vor der Konzerthalle. Mache Fans reisen von weit her an, sogar schon in der Nacht zuvor, um sich einen guten Platz in der Warteschlange zu sichern. Sie bringen Stühle mit, warme Sachen. Auch Schlafsäcke und Essen. Sie wollen die ersten sein, wenn sich die Konzerttüren öffnen. Ganz vorne in der ersten Reihe an Bühne. Ganz nahe an den Stars.
Als wir im Sommer in Urlaub waren, sahen wir es in einer Stadt nicht ganz so extrem, aber zumindest am Nachmittag bildete sich bereits eine lange Schlange für das Konzert am Abend.
Die Band kannte ich nicht, aber in der Stadt trafen wir dann hier und da Fans mit entsprechenden Bandshirts. Das ist Hingabe!
So, oder so ähnlich kann man sich das auch vorstellen, als Jesus damals in Israel unterwegs war. Er war bekannt. Sehr bekannt. Ein Wunderpromi, dem seine Taten vorauseilten.
Ganz ohne Handy, Internet oder Fernseher wussten die Menschen, wo Jesus wieder seine nächste Rede halten und vielleicht auch Wunder vollbringen würde.
Erst einige Tage vorher, war er am See Genezareth an der Westseite unterwegs. 5000 Menschen kamen zusammen. Und als sich das Jesus-Event in die Länge zog und die Menschen anscheinend nicht genug Essen dabei hatten, machte er alle satt. Mit ein paar Broten und ein paar Fischen.
Keine Ahnung, wie er das machte. Aber die Jünger und die Menschen staunten, wie er sich kümmerte und das Unmögliche möglich machte.
Aber er war ja auch Gottes Sohn, ein Wundertäter. Warum sollte er nicht auch so etwas menschlich Unerklärliches tun können?
Er zog nach dieser Geschichte Richtung Norden, in das heutige Grenzgebiet zum Libanon.
Auch dort begegnete er Menschen. Er heilte. Vergangene Woche haben wir von Elliot von so einer Heilungsgeschichte in dieser Gegend, in der Predigt gehört.
Und nun geht Jesus wieder zurück zum See Genezareth. Aber auf die andere Seite. Die Ostseite.
Mitten in ein Gebiet, wo eher weniger Juden wohnten. In das Gebiet der sogenannten „10 Städte“. Es waren Städte, die vor allen Dingen römisch und griechisch geprägt waren. Mit allen kulturellen und religiösen Begleiterscheinungen wie Tempeln, fremden Göttern und Festen, mit denen Juden nicht allzu viel anfangen konnten.
In den Augen der Juden wohnten dort vor allem Dingen Ungläubige, Heiden. Mit denen der gläubige Jude nicht so gerne zu haben wollte.
Aber genau dorthin geht Jesus.
Und sowohl seine Fans als auch Heiden aus dem Gebiet der 10 Städte kommen zu Jesus, um den Wundertäter zu sehen und zu hören.
Eine große Volksmenge war wieder versammelt.
Viele vielleicht auch mit antiken Klappstühlen und Camping-Equipment. Doch das Treffen zog sich wieder in die Länge. Drei Tage ging die Open-Air-Veranstaltung schon. Und wieder ging das Essen aus. Jesus wollte die Menschen nicht wegschicken.
Hören wir nun O-Ton der Bibel, nach dem Bericht des Evangelisten Markus, Kapitel 8, Verse 1 - 9:
Wieder war eine große Volksmenge bei Jesus zusammengekommen. Da die Menschen nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich. Er sagte zu ihnen: »Ich habe großes Mitleid mit den Menschen. Sie sind nun schon drei Tage bei mir und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen – denn einige sind von weit her gekommen.«
Seine Jünger antworteten: »Wo soll in dieser einsamen Gegend das Brot herkommen, um diese Leute satt zu machen?«
Und er fragte sie: »Wie viele Brote habt ihr?«
Sie antworteten: »Sieben.«
Jesus forderte die Volksmenge auf, sich auf dem Boden niederzulassen. Dann nahm er die sieben Brote. Er dankte Gott, brach sie in Stücke und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen.
Und die Jünger teilten das Brot an die Volksmenge aus. Sie hatten auch noch einige kleine Fische. Jesus dankte Gott dafür und ließ sie ebenfalls austeilen.
Die Menschen aßen und wurden satt. Danach sammelten sie die Reste und füllten damit sieben Körbe.
Es waren etwa 4000, die Jesus heimschickte.
Spannend – nicht? Wieder eine Speisungsgeschichte.
Jesus, das Brot des Lebens, wie er sich an anderer Stelle selbst bezeichnet, redet nicht nur davon, sondern macht wirklich Menschen satt. Körperlich, aber auch geistlich.
Und diesmal geht es nicht in erster Linie um Juden, seine Landsleute, sondern um Nichtjuden. Und die Geschichte spielt nicht quasi vor Jesu Haustür, er war kein Heimspiel, sondern auf fremdem Gebiet. Bei den Heiden. Auf der anderen Seite des Sees Genezareth.
Jesus möchte auch ihnen von seinem Vater im Himmel erzählen.
Er hat da offensichtlich null Berührungsängste.
Christsein heisst ja: Jesus nachzufolgen, von ihm lernen zu wollen. Ein Nachfolger, ein Jünger zu sein.
Dazu gehört auch, Jesus nicht nur zu hören, sondern auch Dinge umzusetzen.
Und immer wieder mal zu fragen in der oder anderen Situation:
Was würde Jesus jetzt dazu sagen? Was würde er tun? Wie kann ich genau in dieser Situation Jesu Nachfolge sein?
Also schauen wir jetzt mal, was wir hier bei Jesus beobachten und von ihm lernen können.
Vier Punkte habe gefunden. Ich werde es kurz machen. Keine Angst…
Punkt 1: Er verlässt bewußt seine Komfortzone und geht zu anderen Menschen
Er verlässt bewusst seine Komfortzone und geht auch zu Menschen von so ganz anderer Prägung. Zu Nichtjuden, zu Heiden.
Er möchte auch ihnen dienen. Seine Botschaft vom Reich Gottes weitersagen.
Da habe ich mich gefragt: wie offen bin ich dafür auf Menschen zuzugehen, die so ganz anders als ich sind?
Menschen, die eine andere Hautfarbe haben. Eine andere Sprache sprechen. Andere Feste feiern. Anderes Essen essen. Die vielleicht auch aufgrund einer anderen Ernährungsweise anders riechen.
Und da müssen wir ja nicht ins Ausland fahren, sondern hier in Steinen leben Menschen, die so ganz anders sind als wir.
Vielleicht sind sie auch keine Ausländer. Sondern auch ganz normale Deutsche. Aber mit komischen politischen Einstellungen, anderem Lebensstil, anderen religiösen Überzeugungen, seltsamen Hobbies oder die einfach so ganz anders als wir sind.
Jesus hat keine Berührungsängste. Und wenn Jesus Bayern München-Ultra wäre, würde er auch zu den Dortmundern gehen, Vielleicht sogar gerade zu denen…
Von Jesus lernen heisst auch, zu Menschen zu gehen, die erst mal gar nicht so in meine Freundschaftsschema passen. Aber sie sind Menschen. Auch geliebt von Jesus. Und allein deswegen wert, gesehen zu werden.
Vielleicht können wir nach dem Gottesdienst mal eine kleine Übung machen. Mal ganz bewusst auf Menschen zuzugehen, die ich noch nicht kenne. Und mal nachzufragen, wer bist du, wo kommst du her? Was interessiert dich so?
Punkt 2: Jesus sieht die Not der Menschen und handelt
Drei Tage sind sie schon da. Anscheinend ist das Essen ausgegangen und kein Supermarkt um die Ecke bzw. kein Dorf in der Nähe. Sie sind hungrig.
Er möchte sie nicht wegschicken.
Vielleicht war es eine besonders gesegnete und geistlich dichte Atmosphäre, die er nicht unterbrechen wollte?
Er redet und er handelt. Sein Evangelium wird sehr praktisch erfahrbar. Er sieht die Not und packt an.
Er stillt das geistliche Bedürfnis der Menschen. Und das körperliche. Und alle werden satt.
Wie ist das bei uns heute? Es gibt auch viel Not um uns herum. Nicht nur in der fernen Ukraine. Vielleicht beim Nachbarn, beim Kollegen, in der eigenen Familie. Wo materielle, aber vielleicht auch seelische Not ist. Wo Unrecht geschieht.
Sehen wir das alles? Oder lieber eher nicht? Bewegt uns die Not der Menschen? Und wir kommen aus dem Seh- in den Tatmodus? Da packe ich mich immer wieder auch an meine eigene Nase…
Sehen wir sozial Benachteiligte? Langzeit-Bürgergeldempfänger. Wo teils schon am Ende es Geld noch ein halber Monat übrig ist.
Oder sehen wir Menschen in Einsamkeit. Die keinen haben. Den Schüler, mit dem sonst keiner was zu tun haben möchte?
Personen, die sich danach sehen, gesehen und gehört zu werden. Aber irgendwie nicht schaffen tragfähige Beziehungen aufzubauen?
Sehen wir die Menschen um uns herum, die Kontakt suchen? Die fremd, krank oder benachteiligt sind?
Vielleicht auch in unserer Kirchengemeinde?
Punkt 3: Erlebte Wunder wirken häufig nicht lange nach
Kommen wir zum Dritten Punkt: Erlebte Wunder wirken häufig nicht lange nach und wir fragen uns dann in der nächsten Herausforderung: „Hilfe, wo ist da Jesus?“
Sehen wir mal die Jünger in unserer Geschichte. Machen wieder mal keine allzu gute Figur. Sie sehen die Not.
Aber fragen schon wieder, wie soll das denn gehen, dass so viele Menschen satt werden?
Nicht allzu lange vorher hat Jesus 5.000 Menschen satt gemacht. Haben sie nicht gelernt aus dieser Wundergeschichte? Sind sie so vergesslich? Und wieder beginnen sie zu hyperventilieren: „Jesus was sollen wir nun tun??“
Anscheinend war es damals wie heute ähnlich: selbst wenn Jesus reihenweise Wunder tut, reicht es nicht, um Zweifel an seinem Vermögen, Menschen zu helfen, zu zerstreuen. Wir vergessen es teils sehr schnell, dass er geholfen und eingegriffen hat.
Doch er greift ein in dieser Welt. Auch wir erleben hier und da Heilungen, wo wir schon zu hoffen aufgehört haben.
Wir erhalten die langersehnte Arbeitsstelle, obwohl viele andere sich auch beworben hatten. Wir bekommen immer wieder wunderbare Hilfe in Problemen und Fragestellungen, die wir nicht allein lösen konnten. Wo wir mit unserer Weisheit am Ende sind. Wie erleben, wie Gott vielleicht nicht alle, aber doch auch immer wieder unsere Gebete erhört.
Wir erfahren vielleicht auch immer wieder, wie Gott uns im Leid nahe ist. Wie er mitträgt und ich nicht verzweifeln muss. Neue Hoffnung bekomme. Und und und.
Soviel wirkt Gott in dieser Welt. Können wir das überhaupt sehen? Oder sehen wir eher das, was wieder nicht gelungen ist? Wo Gott anscheinend wieder mal nicht so geholfen hat, wie ich es mit vorstelle und wünsche?
Punkt 4: Jesus ist der große „ich kann!“
Aber Jesus kann. Der letzte Punkt. Er ist der große „ich kann!“.
Aus sieben Broten und ein paar Fischen schafft er wieder mal das menschlich Unmögliche. Alle werden satt.
Man spürt fast, wie er sinngemäss sagt: „hey Jungs, jetzt chillt mal! Lasst uns schauen, was noch da ist…“
Und sie merken: Nur 7 Brote und ein paar Fische.
Aber immerhin. Für Jesus ist das kein Problem. Es ist mehr als genug, um was daraus zu machen.
Mir ist auch klar: die Not um uns herum können wir vielleicht nicht alleine lindern. Was haben wir schon, was können wir da mit unseren begrenzten Möglichkeiten ausrichten?
Oder vielleicht würden wir gerne tatkräftiger mit anpacken. Aber wisse nicht wie, fühlen uns überfordert.
Ich weiss schon: Nicht jeder kann alles tun. Keine kann alleine die Not um uns herum lindern. Das kann nur Gott selbst. Und wir sind Menschen und nicht Gott.
Aber wir können hier und da Dinge sehen und anpacken. Eventuell nur bei einer Person und nicht bei zwei oder vielen. Wir können Nachfragen. Oder ein Gebet für die Person sprechen.
Und wenn viele von uns jeweils bei einer unterschiedlichen Person hinsehen, nachfragen oder auch unterstützen, ist am Ende des Tages ganz vielen geholfen.
Also nochmals zusammenfassend am Ende.
- Jesus verlässt bewusst seine Komfortzone und geht auch zu Menschen von so ganz anderer Prägung. Und wir?
- Jesus sieht die Not der Menschen und er handelt. Und wir?
- Erlebte Wunder wirken häufig nicht lange nach und wir fragen uns dann in der nächsten Herausforderung: kann er wirklich helfen?
- Und ja, es gilt: Jesus ist der große „ich kann!“. Vielleicht nicht immer so, wie wir uns vorstellen. Aber wirkt. Uns zugut. Zu unserem Besten. Weil er gut ist. Gott ist gut.
Punkt und Amen.