Wohin mit meinen Sorgen? Mit Jesus auf der Bank | Johannes 16, 23 - 23 + 33
- 01.04.2020 -
Judika
Wo finde ich Ruhe, wenn Sorgen und Ängste mich nicht loslassen? Prädikant Dr. Ernst Volz lädt dazu ein, auf einer inneren Bank mit Jesus Platz zu nehmen und ihm im Gebet anzuvertrauen, was uns bewegt.
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Eine Bank lädt zum Ausruhen und Nachdenken ein. In seiner Predigt macht Prädikant Dr. Ernst Volz sie zum Bild für einen inneren Ort, an dem wir Jesus begegnen und unsere Sorgen aussprechen können.
Ausgehend von Johannes 16,23–24 und 33 fragt er, was Jesu Zusage zum Gebet bedeutet, wie wir mit ausbleibenden Antworten umgehen und warum Geduld und Gemeinschaft zum Glauben gehören.
Die Predigt entstand in einer Zeit, in der die Corona-Pandemie den Alltag und persönliche Begegnungen einschränkte.
Predigt zu: „Wohin mit meinen Sorgen? Mit Jesus auf der Bank“ - Johannes 16, 23 - 23 + 33
(1. April, Prädikant Ernst Volz, Evangelische Kirche Steinen)
Sitzen Sie gern auf einer Bank im Garten, im Park oder irgendwo draußen in der Natur? Vielleicht tun Sie das in diesen Wochen sogar öfter als sonst, während wir uns die meiste Zeit in unseren Wohnungen aufhalten müssen.
Eine Bank ist etwas Besonderes. Sie lädt zum Ausruhen ein, zum Innehalten und Nachdenken. Wir können dort unseren Gedanken und Sehnsüchten freien Lauf lassen. Doch oft geht uns so vieles durch den Kopf: Sorgen um die Gesundheit, finanzielle Fragen und die Ungewissheit darüber, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickelt. Auch andere Nachrichten müssen wir erst einmal verarbeiten. Wirklich zur Ruhe kommen wir selten, nicht nur jetzt.
Dabei sehnen wir uns nach einem Ort, an dem wir abschalten und neu auftanken können. Ich glaube, eine solche Bank gibt es. Sie steht nicht irgendwo draußen, sondern in unserem Inneren, in unserer Seele. Dort können wir jemandem begegnen, der uns zuhört. Bei ihm dürfen wir abladen, was uns belastet, und um Hilfe bitten. Dieser Jemand ist Jesus Christus.
Auch Jesu Jünger kannten schwierige und beängstigende Situationen. Besonders als deutlich wurde, dass Jesus sterben würde, wussten sie nicht, wie es weitergehen sollte. Ihre Hoffnungen gerieten ins Wanken, und sie sorgten sich um ihre Zukunft. Jesus ließ sie damit nicht allein. Er sagte nicht einfach: „Kopf hoch, irgendwie wird es schon weitergehen.“ Bildlich gesprochen setzte er sich zu ihnen auf ihre Sorgenbank und eröffnete ihnen eine neue Perspektive.
Jesus sagte ihnen zu, dass sie den Vater in seinem Namen bitten dürfen. Er verband diese Einladung mit der Verheißung der Freude. Auch uns gilt die Einladung, mit unseren Bitten zu Gott zu kommen. Aber wie geht es Ihnen damit? Spüren Sie etwas von dieser Freude? Oder fühlen Sie sich auf Ihrer Bank allein und warten darauf, dass Jesus sich zu Ihnen setzt?
Stellen wir uns vor, die Bank steht in einem Garten, der von einer Mauer umgeben ist. Ihre Steine sind unsere Sorgen, Schuldgefühle, Selbstvorwürfe, Ängste und Zweifel. Diese Mauer kann uns den Blick darauf versperren, dass es auch ein Tor gibt. Vor diesem Tor steht Jesus und wartet darauf, dass wir öffnen.
Jesus will bei uns Platz nehmen. Wir dürfen ihn einladen, in unser Leben und in unser Herz. Wo das geschieht, ist nicht entscheidend: im stillen Gebet in der Kirche, zu Hause oder auf einem Spaziergang. Wichtig ist, seine Nähe zu suchen, zu ihm zu sprechen und auch auf ihn zu hören. Die Gemeinschaft mit ihm kann uns inneren Frieden und neue Hoffnung schenken.
Jesus fordert uns zum Bitten auf. Doch vielleicht haben Sie schon gebetet und den Eindruck gewonnen, dass nichts geschieht. Vielleicht haben Sie die Hoffnung aufgegeben, dass Gott Ihre Bitte hört. Dann möchte ich Sie ermutigen, nicht aufzugeben.
Jesus erzählt im Lukasevangelium von einer Witwe, die einen Richter immer wieder um Recht bittet. Sie lässt nicht nach. Mit dieser Geschichte ermutigt Jesus zum beharrlichen Gebet. Warum manche Bitten rasch erhört werden und andere viel Geduld erfordern, weiß letztlich Gott allein. Aber wir dürfen ihm immer wieder sagen, was uns bedrückt: unsere Einsamkeit, unsere Sorgen und unsere konkreten Wünsche.
Heißt das, dass jedes Gebet automatisch so erfüllt wird, wie wir es uns vorstellen? Nein. Wir wissen, dass manche Wünsche unerfüllt bleiben. Oft fragen wir dann: Warum? Ich glaube, dass Gott uns hört. Zugleich müssen wir ihm überlassen, wie, wann und wo er uns hilft. Wir dürfen uns an den schönen Dingen unseres Lebens freuen. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott mehr mit uns vorhat: die vollkommene Freude und den vollkommenen Frieden in seiner Gegenwart.
Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Nicht jede Angst und jede Mühe können wir selbst beseitigen. Doch wir dürfen unsere Wünsche in seine Hände legen. Manchmal wird dabei unsere Geduld auf die Probe gestellt.
Dazu eine kleine Geschichte: Im Frühling begann eine Schnecke, den Stamm eines Kirschbaums hinaufzuklettern. Sie wollte zu den Kirschen. Spatzen beobachteten sie und lachten: Am Baum hingen doch noch gar keine Früchte! Die Schnecke ließ sich nicht beirren. Bis sie oben sei, antwortete sie, würden welche daran sein.
Geduld, Gelassenheit, Ruhe und Abwarten haben in unserem Alltag oft wenig Platz. Doch wir brauchen sie. Wir brauchen Zeiten, in denen wir innehalten und auf unserer inneren Bank mit Jesus Platz nehmen. Das gilt nicht nur dann, wenn uns Ruhezeiten von außen auferlegt werden. Auch Jesus selbst zog sich immer wieder zurück, um allein zu beten.
Natürlich wünschen wir uns, dass es uns gut geht, dass wir gesund bleiben und gute Jahre vor uns haben. Doch niemand von uns schafft das Leben allein. Wir brauchen Gott und die Gemeinschaft mit Jesus. Wir brauchen andere Menschen, und andere Menschen brauchen uns. Und wir brauchen das Gebet.
Darum dürfen wir immer wieder auf unsere innere Bank zurückkehren. In der Gemeinschaft mit Jesus suchen wir Frieden und Freude. Ganz nahe bei ihm ist unser Platz, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.