Jesus hält keinen Abstand
- 10.04.2020 -
Karfreitag
„Jesus hält keinen Abstand.“
Gerade in einer Zeit, in der Abstand halten zum Alltag gehörte, erinnert diese Karfreitagspredigt daran, dass Jesus den Menschen bewusst nahekam. Er trägt nicht nur unsere Schuld, sondern leidet auch mit uns. Das Kreuz verändert unseren Blick auf Leid, Angst und Belastungen.
Weitere Predigten und Livestreams:
Zum YouTube-Kanal Ev. Kirchengemeinde Steinen
Zum YouTube-Kanal Ev. Kirchengemeinde Steinen
Der Karfreitag erinnert an das Leiden und Sterben Jesu Christi. Doch das Kreuz steht nicht nur für den Tod Jesu, sondern auch für seine Nähe zu den Menschen.
In dieser Predigt greift Pfarrer Dr. Dirk Kellner die Erfahrungen der Corona-Zeit auf und verbindet sie mit den Worten des Propheten Jesaja:
„Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen.“
Anders als viele Menschen in Zeiten von Kontaktbeschränkungen hielt Jesus keinen Abstand. Er begegnete den Menschen, berührte Kranke, nahm ihre Not wahr und trug ihre Last.
Die Predigt macht deutlich:
- Jesus leidet für uns.
- Jesus leidet mit uns.
- Das Kreuz verändert unser Leid.
- Gott lässt uns auch in dunklen Zeiten nicht allein.
Predigt zu: „Jesus hält keinen Abstand“ - Jesaja 53, 4 - 5
(10. April 2020, Pfarrer Dr. Dirk Kellner, Ev. Kirchengemeinde Steinen)
Die Lasten unseres Lebens
Anfang der Woche habe ich dazu eingeladen, Steine zum Kreuz zu bringen.
Viele Menschen sind gekommen und haben einen Stein abgelegt als Zeichen dafür, was sie belastet und schwer auf ihnen liegt.
Wenn ich auf diese Steine schaue, dann kenne ich die Geschichten dahinter nicht. Aber ich kann mir vorstellen, was manche von ihnen bedeuten.
Vielleicht steht ein Stein für Sorgen um die eigene Gesundheit oder um Menschen, die einem wichtig sind.
Vielleicht steht ein anderer Stein für Verletzungen, die durch andere Menschen entstanden sind.
Vielleicht erinnert ein Stein an Schuld, an eigenes Versagen oder an Fehler, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
Und vielleicht steht ein dunkler Stein für eine schwere Zeit, die ein Mensch gerade durchlebt.
Doch eines haben alle diese Steine gemeinsam:
Sie wurden zum Kreuz gebracht.
Und genau dort verändert sich etwas.
Das ist die Botschaft des Karfreitags.
Das Kreuz durchkreuzt unser Leid.
Die Verheißung des Propheten
Schon viele Jahrhunderte vor Jesus spricht der Prophet Jesaja über diesen Weg Gottes.
Er schreibt:
„Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen.“
Die ersten Christen erkannten:
Diese Worte sprechen von Jesus.
Jesus stirbt nicht einfach als ein Mensch unter vielen.
Er trägt etwas.
Er nimmt etwas auf sich.
Er leidet stellvertretend.
Jesus leidet für uns
Jesus trägt unsere Schuld.
Er trägt die Konsequenzen dessen, was Menschen voneinander und von Gott trennt.
Er nimmt auf sich, was uns eigentlich belasten müsste.
Er trägt die Strafe.
Er trägt die Schuld.
Er trägt unsere Sünde.
Jesus leidet mit uns
Doch das ist nicht alles.
Jesus leidet nicht nur für uns.
Er leidet auch mit uns.
Er kennt unsere Angst.
Er kennt Einsamkeit.
Er kennt Schmerz.
Er kennt Verlassenheit.
Er kennt den Tod.
Darum müssen wir niemals sagen:
Niemand versteht mich.
Jesus versteht.
Er war selbst dort.
Das Bild vom Kreuz
Immer wieder muss ich an das Kreuz in unserer Petruskirche denken.
Auf dem Bild hängt Jesus allein.
Verlassen von den Menschen.
Scheinbar verlassen von Gott.
Isoliert.
Das ist ein starkes Bild.
Gerade in der Corona-Zeit.
Denn viele Menschen erlebten Isolation.
Viele hielten Abstand.
Viele mussten auf Begegnungen verzichten.
Jesus hielt keinen Abstand
Doch Jesus hielt keinen Abstand.
Er ging zu den Menschen.
Er berührte Kranke.
Er begegnete Ausgegrenzten.
Er sprach mit den Verachteten.
Er nahm Menschen an die Hand.
Er ließ sich auf ihr Leid ein.
Und schließlich ging er den letzten Schritt.
Er nahm das Leid der Welt auf sich.
Bis zum Kreuz.
Das Kreuz verändert alles
Darum können wir unsere Lasten dorthin bringen.
Unsere Sorgen.
Unsere Schuld.
Unsere Verletzungen.
Unsere Ängste.
Jesus trägt sie.
Und er leidet mit uns.
Gerade deshalb endet Karfreitag nicht in Hoffnungslosigkeit.
Das Kreuz weist bereits auf Ostern hin.
Auf neues Leben.
Auf Hoffnung.
Auf Auferstehung.
Schluss
Jesus hält keinen Abstand.
Nicht damals.
Und nicht heute.
Er kommt den Menschen nahe.
Er trägt unsere Last.
Er leidet mit uns.
Und darum dürfen wir unsere Lasten zu ihm bringen.
Im Vertrauen darauf, dass das Kreuz unser Leid verändert.
Amen.