ER lebt für dich | Osternacht

- 12.04.2020 - 

Ostersonntag

Eine dunkle Kirche. Eine einzelne Kerze. Der Ruf „Der Herr ist auferstanden!“.
 
In dieser besonderen Osternachtpredigt erinnert Pfarrer Dr. Dirk Kellner daran, dass das Licht stärker ist als die Finsternis und das Leben stärker als der Tod. Die Osterbotschaft schenkt Hoffnung – damals wie heute.

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Ostern ist das zentrale Fest des christlichen Glaubens.
 
Die Auferstehung Jesu Christi verändert den Blick auf Leben, Leid, Schuld und Tod grundlegend. In dieser Osternacht wird die biblische Botschaft anschaulich und verständlich entfaltet: Von der Dunkelheit der Karwoche bis zum Licht des Ostermorgens.
Der Gottesdienst verbindet die Ostergeschichte aus Lukas 24,1–9 mit persönlichen Gedanken, Musik und einer kreativen Jonglage, die das Geschehen von Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag nachzeichnet.
 
Die Predigt macht deutlich:
  • Das Licht ist stärker als die Finsternis.
  • Gottes Hoffnung ist stärker als unsere Angst.
  • Christus lebt.

Predigt: "ER lebt für dich"

(12. April 2020, Pfarrer Dr. Dirk Kellner, Evangelische Kirche Steinen)

Ostern beginnt im Dunkeln

Herzlich willkommen hier am Ostermorgen vor der Petruskirche.
Es ist noch dunkel. Kein Licht ist zu sehen.
 
Und genau so beginnen wir die Osternacht.
 
Wenig später wird die Osterkerze in die dunkle Kirche getragen.
 
Dann erklingt der uralte Ostergruß:
Der Herr ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden!

Das leere Grab

Wir hören die Geschichte aus Lukas 24.
 
Die Frauen kommen früh am Morgen zum Grab Jesu.
Sie bringen wohlriechende Öle mit.
 
Doch sie finden den Stein weggewälzt.
Das Grab ist leer.
Der Leib Jesu ist nicht mehr dort.
 
Während sie noch ratlos sind, erscheinen zwei Männer in glänzenden Gewändern und sagen:
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier.
Er ist auferstanden.
 
Die Frauen erinnern sich an die Worte Jesu.
Sie kehren zurück und erzählen den Jüngern, was geschehen ist.

Das Licht vertreibt die Finsternis

Die Osterkerze wurde in die dunkle Kirche getragen.
 
Und wir haben etwas erlebt, das eigentlich selbstverständlich ist:
Das Licht vertreibt die Dunkelheit.
 
Wir hätten die Kirche noch viel dunkler machen können.
Wir hätten jede Tür und jedes Fenster verschließen können.
Und dennoch hätte eine einzige Kerze ausgereicht, um die Finsternis zu durchbrechen.
 
Genau das ist die Botschaft von Ostern.
Das Licht ist stärker als die Finsternis.
 
Ganz gleich, wie dunkel es in unserem Leben werden mag.
Ganz gleich, wie hoffnungslos eine Situation erscheint.
Ganz gleich, ob wir das Gefühl haben, alle Türen seien verschlossen.
 
Jesus sagt:
Ich bin das Licht der Welt.
 
Er lebt.
Er ist da.
Er ist unser Retter.
 
Das ist die Osterbotschaft.
 
Darum wünsche ich uns allen:
Frohe Ostern!

Die letzten Wochen

Bevor wir weitergehen, möchte ich noch einmal auf die vergangenen Wochen zurückblicken.
 
Plötzlich hörten wir von einem Virus.
Zunächst weit entfernt.
Dann immer näher.
 
Eine Nachricht jagte die nächste.
Immer neue Entwicklungen.
Immer neue Meldungen.
 
Plötzlich war das Virus in Europa.
Und bei uns.
 
Es gab ganz unterschiedliche Meinungen.
 
Die einen sagten:
Das bekommen wir schnell in den Griff.
 
Andere meinten:
Das wird eine Katastrophe.
 
Und dazwischen standen wir.
Mit Sorgen.
Mit Unsicherheit.
Mit Fragen.
 
Wir haben erlebt, wie Menschen Hamsterkäufe machten.
Wir haben erlebt, wie vieles stillstand.
 
Und gleichzeitig habe ich gelernt, für vieles dankbar zu sein.
Ich bin dankbar für Menschen, die Verantwortung übernommen haben.
Ich bin dankbar für die Schönheit der Natur.
Ich bin dankbar dafür, dass wir trotz aller Einschränkungen versorgt wurden.
Und ich bin dankbar für die Psalmen.
 
Besonders für Psalm 91.
Für die Zusage, dass Gott schützt, trägt und begleitet.

Ostern wird nicht abgesagt

Vieles wurde abgesagt.
Veranstaltungen.
Treffen.
Reisen.
Feiern.
 
Aber eines wurde nicht abgesagt:
Ostern.
 
Und genau deshalb feiern wir heute.

Die Reise durch die Karwoche

Ich möchte noch einmal den Weg Jesu betrachten.
Gründonnerstag
Jesus ist mit seinen Jüngern im Garten Gethsemane.
 
Er bittet sie:
Bleibt bei mir und betet mit mir.
 
Doch einer nach dem anderen schläft ein.
Am Ende steht Jesus allein da.
 
Karfreitag
Jesus wird verhaftet.
Verurteilt.
Verspottet.
Gekreuzigt.
 
Für die Jünger bricht eine Welt zusammen.
Alles, worauf sie gehofft hatten, scheint verloren.
 
Es ist der tiefste Punkt der Geschichte.
 
Karsamstag
Der Karsamstag ist der Tag dazwischen.
 
Ein Tag der Fragen.
Ein Tag der Unsicherheit.
Ein Tag, an dem Gott verborgen scheint.
 
Vielleicht kennen wir solche Tage.
Tage, an denen wir Gott nicht verstehen.
Tage, an denen wir ihn kaum wahrnehmen.
 
Und dennoch gilt:
Gott ist da.
Auch verborgen.
Auch im Schweigen.
Auch in der Dunkelheit.
 
Ostersonntag
Dann geschieht das Unfassbare.
Jesus steht von den Toten auf.
 
Der Tod verliert seine Macht.
Das Leben siegt.
Das Licht bricht durch die Dunkelheit.
 
Und darum feiern wir heute.
Christus ist auferstanden!

Das Kreuz und die Auferstehung

Die Auferstehung ist nicht von Karfreitag zu trennen.
Das Kreuz steht im Zentrum.
 
Jesus ist für unsere Schuld gestorben.
Er hat den Weg zu Gott geöffnet.
 
Wir dürfen mit allem zu ihm kommen.
Mit Schuld.
Mit Angst.
Mit Versagen.
Mit Fragen.
 
Und wir dürfen neu anfangen.
Darum soll sich unser Leben immer wieder um dieses Kreuz drehen.
Nicht um unsere Leistung.
Nicht um unsere Erfolge.
Nicht um unsere Fehler.
Sondern um die Gnade Gottes.

Hoffnung für heute

Gerade in schwierigen Zeiten ist diese Botschaft wichtig.
 
Wir brauchen Hoffnung.
Wir brauchen Perspektive.
Wir brauchen einen Blick über das hinaus, was uns Sorgen macht.
 
Ostern erinnert uns:
Christus lebt.
 
Und weil Christus lebt, gibt es Hoffnung.
Heute.
Morgen.
 
Und über dieses Leben hinaus.

Schluss

Darum gilt auch heute:
Das Licht ist stärker als die Finsternis.
Die Hoffnung ist stärker als die Angst.
Das Leben ist stärker als der Tod.
Christus lebt.
 
Und er ist für uns da.
In diesem Sinn:
Halleluja.
 
Frohe Ostern!
 
Amen.