Was sagt Gott zur Corona-Krise? Drei mögliche Antworten

- 03.05.2020 - 

Jubilate

Was sagt Gott in Zeiten von Unsicherheit, Krise und Zukunftsangst?
Während der Corona-Pandemie suchten viele Menschen nach Orientierung, Halt und Hoffnung. Diese Predigt fragt nicht zuerst nach politischen oder wissenschaftlichen Antworten, sondern nach den zeitlosen Wahrheiten der Bibel.
Pfarrer Dr. Dirk Kellner zeigt anhand biblischer Geschichten, warum Gott eine andere Mathematik, einen anderen Zeitplan und eine andere Art der Versorgung hat, als wir Menschen oft erwarten.

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Im Frühjahr 2020 stand die Welt unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Nachrichten, Statistiken und Prognosen bestimmten den Alltag. Viele Menschen fragten sich, wie sicher ihre Zukunft noch ist und worauf sie sich verlassen können.
Diese Predigt geht der Frage nach, welche Botschaft Gott in Zeiten von Unsicherheit, Angst und Krisen für uns bereithält.
Anhand von biblischen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament zeigt Pfarrer Dr. Dirk Kellner drei wichtige Gedanken:
  • Gott hat eine andere Mathematik.
  • Gott hat einen anderen Zeitplan.
  • Gott handelt nach seinem täglichen Prinzip der Versorgung.
 
Die Predigt erinnert daran, dass christliche Hoffnung nicht auf Wahrscheinlichkeiten, Prognosen oder menschlicher Kontrolle beruht, sondern auf dem Vertrauen in Gottes Treue.
 
Dabei geht es nicht allein um die Situation des Jahres 2020. Die angesprochenen Fragen sind bis heute aktuell:
  • Wie gehen wir mit Unsicherheit um?
  • Was trägt uns, wenn Pläne scheitern?
  • Wo finden wir Halt, wenn Sicherheiten zerbrechen?
Die Predigt lädt dazu ein, Gottes Perspektive auf Krisen neu zu entdecken und Vertrauen zu lernen – einen Tag nach dem anderen.

Was sagt Gott zur Krise? Drei mögliche Antworten

(3. Mai 2020, Pfarrer Dr. Dirk Kellner, Evangelische Kirche Steinen)

Wahrscheinlich ist dies der letzte Gottesdienst, den wir in dieser Form feiern.
Momentan sieht es so aus, als könnten wir uns schon bald wieder hier in der Petruskirche treffen. Natürlich unter besonderen Auflagen. Aber heute feiern wir noch einmal auf diesem Weg Gottesdienst. Schön, dass ihr dabei seid.
 
Macht es euch gemütlich. Versucht, euch darauf einzulassen, Gott in diesem Gottesdienst zu begegnen.
Jeden Tag äußern sich anerkannte und selbst ernannte Experten zur Corona-Krise.
Das ist gut so. Niemand von uns hat den vollständigen Überblick über die Situation.
 
Aber welche Botschaft hat Gott für uns in dieser Krise?
Niemand sollte vorschnell behaupten:
Diese Pandemie ist eine Strafe Gottes.
 
Oder:
Diese Pandemie ist eindeutig eine Warnung Gottes.
 
Mit solchen Aussagen sollten wir vorsichtig sein.
Aber wir Christen glauben an einen Gott, der in unser Leben hineinspricht. Einen Gott, der auch in diese Welt hineinspricht.
 
Deshalb dürfen wir fragen:
Was könnte seine Botschaft für uns in dieser Zeit sein?
 
Gott muss dafür keine Pressemitteilung veröffentlichen. Er muss auch nicht twittern.
Er hat uns sein Wort gegeben.
Die Bibel.
 
Deshalb können wir fragen:
  • Welche zeitlosen Wahrheiten in Gottes Wort sind gerade jetzt besonders wichtig?
  • Welche Mahnungen?
  • Welche Verheißungen?
Darum soll es heute gehen.

Gott hat eine andere Mathematik

Zahlen bestimmen unser Leben.
Infektionszahlen.
Genesungszahlen.
Todeszahlen.
Wirtschaftszahlen.
Finanzhilfen.
Prognosen.
 
Manchmal scheint es, als wäre unser Leben nur noch von Zahlen bestimmt.
Doch hinter all diesen Zahlen stehen Menschen.
Schicksale.
Sorgen.
Hoffnungen.
 
Viele Menschen fragen sich:
Wie hoch ist mein Risiko?
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich schwer erkranke?
Wie sicher bin ich eigentlich?
Doch selbst hohe Wahrscheinlichkeiten geben keine wirkliche Sicherheit.
Zahlen schaffen keinen Frieden.
Sie bleiben ein unsicheres Fundament.
 
Wie anders denkt Gott.
Im ersten Buch Samuel finden wir die Geschichte von Jonathan.
 
Die Israeliten stehen einer militärisch überlegenen Streitmacht gegenüber.
Menschlich gesehen sind ihre Chancen aussichtslos.
 
Doch Jonathan sagt:
Dem Herrn ist es nicht schwer, durch viele oder durch wenige zu helfen.
 
Das ist Gottes Mathematik.
Nicht große Zahlen entscheiden.
Nicht Wahrscheinlichkeiten.
Nicht Statistiken.
Sondern Gottes Macht.
Natürlich gibt uns das keine Garantie für einen bestimmten Ausgang.
 
Aber es erinnert uns daran:
Gott bleibt Herr der Lage, auch wenn unsere Zahlen etwas anderes sagen.
 
Vielleicht ist das die erste Botschaft Gottes für uns:
Lass dich nicht von hohen Zahlen erschrecken.
Und lass dich nicht von kleinen Zahlen entmutigen.

Gott hat einen anderen Zeitplan

Vor einigen Wochen schickte mir jemand ein Foto.
Darauf zu sehen war ein leerer Terminkalender.
 
Dazu stand der Satz:
So etwas habe ich noch nie erlebt. Eine ganze Woche ohne einen einzigen Termin.
 
Viele Pläne wurden plötzlich zunichtegemacht.
Urlaub.
Familienfeiern.
Veranstaltungen.
Berufliche Vorhaben.
 
Wir merken:
Wir können unser Leben nur begrenzt planen.
 
Genau darüber schreibt Jakobus:
Ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in diese oder jene Stadt gehen, dort Handel treiben und Gewinn machen. Dabei wisst ihr doch nicht, was morgen sein wird.
 
Jakobus erinnert uns daran:
Wenn der Herr will und wir leben, werden wir dies oder jenes tun.
 
Unsere Pläne stehen unter diesem Vorbehalt.
Das fällt uns schwer.
Denn wir möchten gerne alles kontrollieren.
 
Doch Gott erinnert uns:
Du kennst die Zukunft nicht.
Aber du kennst den, der die Zukunft kennt.
 
Vielleicht gelingt dein Plan.
Vielleicht auch nicht.
Vielleicht erfährst du Erfolg.
Vielleicht Verlust.
 
Aber keines von beiden kann dich aus Gottes Hand reißen.
Der Gott von gestern ist derselbe Gott heute.
Und derselbe Gott morgen.

Gottes tägliches Prinzip

Wir Menschen lieben Sicherheit.
Wir hätten gerne heute schon die Kraft für morgen.
Heute schon die Antworten auf die Fragen von morgen.
Heute schon die Versorgung für alle kommenden Tage.
 
Doch Gottes Art zu handeln ist oft anders.
 
Jesus lehrt uns im Vaterunser zu beten:
Unser tägliches Brot gib uns heute.
 
Nicht für die nächsten fünf Jahre.
Nicht für das gesamte restliche Leben.
Für heute.
 
Das erinnert an die Geschichte des Manna in der Wüste.
Das Volk Israel erhält jeden Tag genug Nahrung.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
 
Wer mehr sammelt, als er braucht, erlebt am nächsten Morgen eine unangenehme Überraschung.
Das Manna verdirbt.
Es wird unbrauchbar.
 
Gott lehrt sein Volk Vertrauen.
Tag für Tag.
 
Vielleicht ist genau das eine wichtige Lektion:
Gott versorgt uns oft nicht im Voraus.
Aber er versorgt uns rechtzeitig.
 
Dietrich Bonhoeffer schrieb einmal:
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
Das ist Gottes tägliches Prinzip.

Drei Antworten

Vielleicht lassen sich Gottes Botschaften in dieser Zeit so zusammenfassen:
 
1. Verfalle nicht dem Bann der Zahlen
Gott hat eine andere Mathematik.
 
2. Verzweifle nicht an deinen durchkreuzten Plänen
Gott hat einen anderen Zeitplan.
 
3. Vertraue seinem täglichen Prinzip
Gott gibt, was wir brauchen.
Nicht immer im Voraus.
Aber rechtzeitig.

Schluss

Wir wissen nicht genau, was morgen sein wird.
Wir wissen nicht, welche Herausforderungen auf uns warten.
Wir wissen nicht, welche Zahlen die Nachrichten morgen melden.
 
Aber wir wissen:
Gott bleibt derselbe.
Der Gott von gestern.
Der Gott von heute.
Und der Gott von morgen.
Darauf dürfen wir vertrauen.
 
Amen.