Elisabeth Elliot: Gehorsam im Leid und Vertrauen auf den nächsten Schritt | Segensspuren 2.0
- 02.08.2026 -
9. Sonntag nach Trinitatis
Prädikantin Ingrid Wagner erzählt die bewegende Lebensgeschichte von Elisabeth Elliot. Die Predigt führt von ihrer Berufung zur Mission über die Ehe mit Jim Elliot bis zu dessen Tod und zeigt, wie Vertrauen, Gehorsam und der nächste Schritt im Glauben auch durch schweres Leid tragen können.
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Wie bleibt ein Mensch Gott treu, wenn Träume zerbrechen, Gebete unbeantwortet bleiben und schweres Leid das Leben verändert?
Prädikantin Ingrid Wagner zeichnet das Leben von Elisabeth Elliot nach, die als Missionarin, Autorin und Rednerin weltweit bekannt wurde. Die Predigt erzählt von Berufung, Liebe, Verlust und Vertrauen und zeigt, wie Elisabeth Elliot auch nach der Ermordung ihres Mannes Jim Elliot an Gottes Führung festhielt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Christen den nächsten Schritt gehen können, wenn sie Gottes Weg nicht verstehen.
Predigt zu: Elisabeth Elliot: Gehorsam im Leid und Vertrauen auf den nächsten Schrit
(2. August 2026, Ingrid Wagner, Ev. Kirchengemeinde Steinen)
Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker.
Liebe Gemeinde, dieser Auftrag hat Elisabeth Elliot, geborene Howard, ihr ganzes Leben lang begleitet.
Geboren wird Betty, wie sie genannt wird, am 21. Dezember 1926 während eines Missionseinsatzes ihrer Eltern in Brüssel. Kurz darauf kehrt die Familie nach Philadelphia zurück. Regelmäßige Andachten am Morgen und am Abend gehören selbstverständlich zum Familienleben.
Schon als kleines Kind nimmt Betty Jesus als ihren Herrn an. Mit zwölf Jahren entscheidet sie sich noch einmal ganz bewusst dafür, ihr Leben in seinen Dienst zu stellen. Später studiert sie an einer christlichen Hochschule Englisch. Sie hat den Eindruck, dass Gott sie einmal bei Bibelübersetzungen und in der missionarischen Arbeit gebrauchen möchte.
Mit zwanzig Jahren führt Betty ein diszipliniertes, fleißiges und geistlich konsequentes Leben. Auch Jim Elliot, ein Jahr jünger als sie, fällt auf dem Campus auf. Viele halten ihn für außergewöhnlich geistlich. Er möchte alles Unwesentliche aus seinem Leben entfernen, um Gott ungeteilt dienen zu können.
Betty und Jim Elliot
Betty und Jim lernen sich im Griechischunterricht kennen. Sie verstehen sich gut und verbringen immer mehr Zeit miteinander. Schließlich besuchen sie gemeinsam eine große christliche Konferenz. Im Grunde ist das ihr erstes richtiges Date, auch wenn sie es selbst vielleicht nicht so genannt hätten.
Hier begegnen sich zwei Menschen, die sehr unterschiedlich und doch erstaunlich ähnlich sind. Beide lieben Gott. Beide möchten Missionare werden. Beide sind wortgewandt, leidenschaftlich und ungewöhnlich. Und beide haben ursprünglich vor, ledig zu bleiben, um sich ganz dem Dienst für Gott zu widmen.
Doch plötzlich müssen sie sich mit einer Liebe auseinandersetzen, mit der sie nicht gerechnet haben. Gleichzeitig sind beide bereit, diese Liebe loszulassen, wenn Gott es verlangen sollte.
Ihre Wege führen sie zunächst an unterschiedliche Orte. Sie schreiben sich Briefe. Ihre Gefühle vertrauen sie allerdings vor allem ihren Tagebüchern an. Jim liebt Betty, kann sich aber lange nicht dazu durchringen, sich mit ihr zu verloben.
Für Betty ist das nicht leicht. Dennoch hält sie an ihrem Vertrauen auf Gottes Führung fest. Auch nach fünf Jahren hofft sie noch auf eine gemeinsame Zukunft mit Jim. Zugleich ist sie bereit, diese Hoffnung loszulassen, falls Gott einen anderen Weg für sie vorgesehen hat.
Berufung nach Ecuador
Schließlich führt Gott beide nach Ecuador. In Quito lernen sie Spanisch. Danach arbeitet Jim unter den Quechua südöstlich von Quito, während Betty im Westen unter den Colorados eingesetzt wird.
Dann geschieht etwas Überraschendes. Jim bittet Betty nach Quito und verlobt sich mit ihr. Betty bekommt ihren ersten Kuss. Nun kann sie offen über ihre Liebe sprechen. Für sie ist das ein unbeschreibliches Geschenk.
Zunächst möchte Jim mit der Hochzeit noch warten. Es gibt noch viel zu lernen. Vor allem die Sprache der Quechua liegt ihm am Herzen. Doch dann wird für eine neue Missionsstation dringend ein Ehepaar gebraucht.
So heiraten Jim und Betty am 8. Oktober 1953. Es folgen gute und fruchtbare Monate. Ihre Arbeit entwickelt sich positiv, geistlich wie menschlich.
Am 27. Februar 1955 wird ihre Tochter Valerie geboren. Das junge Ehepaar erlebt eine glückliche Zeit.
Die Waorani
Tiefer im Regenwald lebt ein Stamm, vor dem sich viele Menschen fürchten: die Waorani. Fremde, die in ihr Gebiet eindringen, werden häufig mit Speeren getötet. Auch innerhalb des Stammes werden Konflikte oft gewaltsam ausgetragen.
Dennoch entsteht bei den Missionaren eine Liebe zu diesen Menschen. Sie träumen davon, auch ihnen die Liebe Gottes nahezubringen.
Eine Missionarin namens Rachel lernt eine junge Waorani kennen, die Jahre zuvor aus dem Stamm geflohen war. Über sie versucht Rachel, die Sprache zu lernen.
Währenddessen entwickeln fünf junge Missionare, darunter Jim Elliot, einen Plan. Über viele Wochen fliegen sie regelmäßig über das Gebiet der Waorani und werfen Geschenke ab. Zuerst reagieren die Menschen ablehnend und verwirrt. Doch später schicken sie sogar Gegengeschenke zurück.
Die Waorani fällen Bäume, damit die Missionare ihre Zeichen und Gesten besser sehen können. Für die Missionare ist das ein ermutigendes Zeichen. Betty teilt die Begeisterung ihres Mannes und wäre selbst gerne dabei gewesen.
Weihnachten 1955 feiern die Missionarsfamilien miteinander. Gleichzeitig spüren sie schmerzlich, dass nur wenige Kilometer entfernt Menschen leben, die das Evangelium noch nie gehört haben.
Die erste Begegnung
Schließlich fliegen die Missionare zu einer Lichtung an einem Fluss. Dort bauen sie einen Unterstand und warten.
Nach einigen Tagen erscheinen zwei Frauen und später auch ein Mann aus dem Dschungel. Die Verständigung ist schwierig. Trotzdem begegnen sie einander freundlich. Sie essen zusammen, lächeln einander an und verbringen Zeit miteinander. Einer der Besucher darf sogar mit dem Flugzeug fliegen.
Die Missionare sind überglücklich. Ihr Traum scheint wahr zu werden. Sie funken ihren Familien gute Nachrichten.
Doch im Stamm gibt es Spannungen und Intrigen. Durch falsche Behauptungen eines Stammesmitglieds richtet sich der Zorn einiger Waorani plötzlich gegen die Missionare.
Als erneut Besucher erscheinen, erwarten die Missionare eine friedliche Begegnung. Doch stattdessen erfolgt ein Angriff aus dem Hinterhalt.
Jim versucht noch, seine Pistole zu erreichen. Es ist zu spät. Alle fünf Missionare werden getötet.
Nach dem Verlust
Für Betty und die anderen Frauen bricht eine Welt zusammen. Ihre gemeinsame Zeit mit Jim hatte nur zwei Jahre und drei Monate gedauert. Die Sehnsucht nach ihrem Mann ist unerträglich.
Gleichzeitig wächst in ihr der Wunsch, gerade jetzt zu den Waorani zu gehen und ihnen von Gottes Liebe zu erzählen. Betty ist überzeugt, dass Gott auch in dieser Situation einen Plan hat.
Sie muss nun allein Verantwortung tragen: für ihre Tochter, für die Missionsstation und für zahlreiche Aufgaben des Alltags. Am liebsten würde sie einfach auf dem Boden sitzen bleiben und nichts mehr tun.
Doch sie beschreibt ihren Weg mit einem einfachen Satz:
„Geh den nächsten Schritt.“
Der nächste Schritt, so klein er auch sein mag, hilft ihr weiterzugehen. Nicht die ganze Zukunft auf einmal, sondern eine Stunde nach der anderen.
Nach einem Aufenthalt in New York kehrt sie nach Ecuador zurück. Dort hilft sie an einem Buch über das Schicksal der fünf Missionare mit.
Immer noch weiß sie nicht, wie sie jemals zu den Waorani kommen soll. Doch sie wartet auf Gottes Führung.
Zu den Waorani
Plötzlich verändert sich die Situation. Einige Waorani-Frauen kommen in eine kleine Quechua-Siedlung. Dort werden sie freundlich aufgenommen. Betty wird gerufen.
Sie erkennt eine der Frauen wieder. Es ist die ältere Frau, die damals die Missionare besucht hatte. Die Frauen haben keine Angst vor ihr. Gemeinsam schlafen sie sogar im selben Raum.
Betty ist tief bewegt. Nun begegnet sie Menschen, die wissen, was mit Jim und seinen Freunden geschehen ist.
Sie macht zahlreiche Fotos, sammelt Informationen über die Sprache und bemüht sich, die Menschen kennenzulernen. Schließlich wird sie eingeladen, mit ihnen im Regenwald zu leben.
Nach vielen Gesprächen machen sich Betty, Rachel, Dauma und die kleine Valerie auf den Weg zu den Waorani.
Betty schreibt in ihr Tagebuch:
„Heute habe ich einen der Mörder meines Mannes getroffen.“
Leben im Regenwald
Das Leben bei den Waorani ist erstaunlich unspektakulär. Die Menschen schlafen in einfachen Unterkünften und leben von dem, was sie jagen oder sammeln können.
Betty lernt ihre Sprache und beobachtet ihren Alltag. Nach und nach erfährt sie mehr über die Ereignisse rund um den Tod der Missionare.
Dauma beginnt, den Menschen biblische Geschichten zu erzählen. Das Zuhören fällt vielen schwer. Sie lassen sich leicht ablenken. Dennoch erfahren sie immer mehr über Gottes Sohn, über das ewige Leben und über Gottes Weg.
Betty macht sich oft Gedanken darüber, wie viel die Menschen wirklich verstehen. Doch schließlich schreibt sie einen wichtigen Satz in ihr Tagebuch:
„Die Tatsache, die zählt, ist, dass das Evangelium zu den Waorani gekommen ist. Und wo es hinkommt, hat es Kraft und Macht, Dinge zu verändern.“
Das Evangelium verändert Menschen
Besonders bewegt sie die Begegnung mit einem jungen Krieger namens Minsaye. Er erzählt ihr von der Ermordung von Jim und den anderen Missionaren.
„Wir sahen sie nicht. Wir kamen heimlich über sie. Wir brachten sie um, ohne zu wissen. Damals lebten wir gedankenlos. Jetzt wissen wir. Jetzt denken wir über Gott nach. Wir werden nicht mehr speeren.“
Später nennt derselbe Mann Betty seine Schwester. Er bittet sie, ihrer Familie auszurichten, dass er sie nun als seine eigene Familie betrachtet.
Betty hört diese Worte und erkennt, welche Veränderungen das Evangelium bewirken kann.
Der nächste Schritt
1963 kehrt Betty schließlich in die USA zurück. Sie erkennt, dass das schwierige Verhältnis zwischen Rachel und ihr kein gutes Zeugnis für die Waorani sein kann.
In ihrem ganzen Leben hat Elisabeth Elliot versucht, Gott zu vertrauen, ihm zu gehorchen und ihm zu folgen. Auch in tiefem Leid fragte sie nicht zuerst nach ihren Gefühlen.
Ihre Frage lautete vielmehr:
„Herr, was ist der nächste Schritt? Zeige mir, was du von mir möchtest, und ich werde es tun.“
Sie hat erlebt, dass in der Annahme Frieden liegt.
Gott beruft Menschen zu besonderen Aufgaben. Sein Weg ist nicht immer schmerzfrei. Doch durch das Leid gereift, konnte Elisabeth Elliot später vielen Menschen helfen. In ihren Büchern und Vorträgen führte sie andere näher zu Gott.
Auch wir sind eingeladen, am Reich Gottes mitzubauen und Zeugnis für Jesus Christus zu sein. Dabei kommt es nicht darauf an, große Dinge vorzuweisen. Viel wichtiger ist es, treu das zu tun, was Gott uns vor die Füße gelegt hat.
Jesus freut sich über treuen Gehorsam, auch wenn die Aufgabe klein erscheint.
Amen.