Das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus Lukas 15 erzählt von einem Menschen, der eigene Wege geht, scheitert und schließlich den Mut findet umzukehren.
Die Geschichte macht deutlich, wie Gott Menschen begegnet: nicht mit Ablehnung, sondern mit offenen Armen.
Im Familiengottesdienst wird diese Botschaft durch das Musiktheater „Der verlorene Sohn“ anschaulich und kindgerecht dargestellt. Die Lieder von Dagmar und Klaus Heizmann begleiten die Aufführung und machen die Geschichte auf besondere Weise erlebbar.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn gehört vermutlich zu den bekanntesten Geschichten der Bibel.
Viele Menschen haben sie schon einmal gehört. In der Gemeinde. Im Religionsunterricht. Vielleicht auch bei einem Kindergottesdienst.
Im Englischen gibt es einen interessanten Ausdruck für diese Geschichte:
„The Gospel in a nutshell.“
Das bedeutet:
Das Evangelium in einer Nussschale.
Eine Nussschale ist klein. Und doch steckt darin etwas Wertvolles.
Genauso verhält es sich mit diesem Gleichnis.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn fasst die zentrale Botschaft der Bibel in besonders dichter Form zusammen.
Drei Geschichten vom Verlorenen
Wenn wir Lukas 15 lesen, dann entdecken wir, dass die Geschichte vom verlorenen Sohn gar nicht allein steht.
Davor erzählt Jesus bereits zwei andere Geschichten:
- die Geschichte vom verlorenen Schaf
- die Geschichte von der verlorenen Münze
In allen drei Geschichten geht etwas verloren.
Und in allen drei Geschichten wird das Verlorene wiedergefunden.
Doch jede Geschichte setzt einen etwas anderen Schwerpunkt.
Beim verlorenen Schaf verlässt der Hirte die neunundneunzig anderen Tiere und sucht so lange, bis er das eine Schaf wiedergefunden hat.
Bei der verlorenen Münze stellt eine Frau ihr gesamtes Haus auf den Kopf, bis sie findet, was verloren gegangen war.
Dann erzählt Jesus die Geschichte vom verlorenen Sohn.
Der Sohn, der weggeht
Im Musiktheater hieß der Sohn Simon.
In der Bibel bekommt er keinen Namen.
Dieser Sohn geht nicht einfach verloren.
Er entscheidet sich bewusst dafür, seinen eigenen Weg zu gehen.
Er lebt auf dem Hof seines Vaters. Eigentlich geht es ihm gut.
Doch irgendwann kommt der Gedanke:
Das reicht mir nicht.
Er möchte mehr erleben.
Mehr Freiheit.
Mehr Abenteuer.
Mehr eigenes Leben.
Und deshalb geht er.
Heimkommen
Was mich an dieser Geschichte besonders berührt:
Der Sohn kehrt nicht einfach irgendwohin zurück.
Er kehrt nach Hause zurück.
Dahin, wo er herkommt.
Dahin, wo er hingehört.
Ich lebe normalerweise in Japan und dort gibt es ein schönes Wort.
Wenn jemand nach Hause kommt und die Tür öffnet, ruft er:
Tadaima!
Das bedeutet:
Ich bin wieder da.
Und die Menschen im Haus antworten:
Okaeri!
Das heißt:
Willkommen zu Hause.
Wie schön ist es, Menschen zu haben, die einem zurufen:
Willkommen zu Hause.
Du gehörst hierher.
Nach Hause zu Gott
Oft stellen wir uns vor, dass der christliche Glaube vor allem bedeutet, einen bestimmten Lebensstil anzunehmen.
Doch Jesus beschreibt es anders.
Im Zentrum seines Gleichnisses steht nicht die Frage:
Erfüllt der Sohn die Erwartungen seines Vaters?
Sondern:
Kommt er nach Hause?
Die Geschichte handelt vom Heimkommen.
Und genau das ist die Einladung Gottes.
Die Freude des Wiederfindens
In allen drei Gleichnissen gibt es einen gemeinsamen Schwerpunkt:
Freude.
Der Hirte freut sich über das gefundene Schaf.
Die Frau freut sich über die gefundene Münze.
Und der Vater freut sich über seinen zurückgekehrten Sohn.
Sogar mehr noch:
Der Vater sagt:
Mein Sohn war tot.
Und nun lebt er wieder.
Darum muss gefeiert werden.
Unsere wahre Heimat
Wenn wir beginnen, mit Gott zu leben, dann ist das letztlich ein Heimkommen.
Ein Ankommen bei unserer eigentlichen Heimat.
Unsere Heimat liegt bei Gott.
Genau das verkörpert das Bild des Vaters, der seinem Sohn entgegenläuft.
Der Vater lässt los
Der Sohn fordert sein Erbe.
Eigentlich sagt er damit:
Ich kann es kaum erwarten, bis du tot bist.
Eine harte Aussage.
Und dennoch gibt der Vater ihm, was er verlangt.
Er hält ihn nicht fest.
Er zwingt ihn nicht zu bleiben.
Er lässt ihn gehen.
Ich glaube, das war für den Vater unglaublich schmerzhaft.
Und trotzdem respektiert er die Entscheidung seines Sohnes.
Die Perspektive des Vaters
Später wechselt die Geschichte die Perspektive.
Plötzlich sehen wir nicht mehr den Sohn.
Wir sehen den Vater.
Da steht:
Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater.
Das bedeutet:
Der Vater hat Ausschau gehalten.
Immer wieder.
Tag für Tag.
Er hat gehofft.
Er hat gewartet.
Und dann wird berichtet:
Es bewegte sein Herz.
Im griechischen Text steckt hier ein sehr starkes Wort.
Es beschreibt ein tiefes inneres Erbarmen.
Eine Bewegung bis in die Eingeweide hinein.
Eine Liebe, die das Innerste erfasst.
Der Vater läuft entgegen
Der Vater bleibt nicht stehen.
Er wartet nicht auf eine Entschuldigung.
Er hält keine Strafrede.
Er läuft.
Für die Menschen der damaligen Zeit war das außergewöhnlich.
Ein älterer jüdischer Mann lief normalerweise nicht.
Doch diesem Vater ist alles andere egal.
Er will nur eines:
Seinen Sohn wieder in die Arme schließen.
Jesus mit offenen Armen
Dieses Bild erinnert an Jesus.
Jesus hängt am Kreuz.
Die Arme weit geöffnet.
Und genau so kommt er uns entgegen.
Als wolle er sagen:
Komm nach Hause.
Ich habe alles dafür gegeben, dass der Weg offen ist.
Wiederherstellung
Der Vater nimmt den Sohn vollständig auf.
Er gibt ihm neue Kleider.
Einen Ring.
Sandalen.
Er stellt seine Würde wieder her.
Er macht deutlich:
Du gehörst weiterhin zu mir.
Das ist Gnade.
Kinder Gottes
Auch Jesus begegnet uns so.
Er spricht uns eine neue Identität zu.
Wir dürfen Kinder Gottes sein.
Nicht aufgrund unserer Leistung.
Sondern aufgrund seiner Liebe.
Kairo – Lasst uns nach Hause gehen
Es gibt ein japanisches Lied, das dieses Thema aufgreift.
Darin heißt es:
Kairo.
Lasst uns nach Hause gehen.
Zum Haus des Vaters.
Dort gibt es Freude und Liebe im Überfluss.
Der Vater breitet seine Arme aus.
Und wartet.
Der Vater wartet
Das ist die Botschaft dieser Geschichte.
Der Vater wartet.
Nicht voller Vorwürfe.
Nicht voller Ablehnung.
Sondern voller Liebe.
Und seine Einladung gilt nicht nur einmal.
Sie gilt unser ganzes Leben lang.
Immer wieder.
Tag für Tag.
Schluss
Wir sind dazu bestimmt, nach Hause zu kommen.
Zum Vater.
In seine Liebe.
In seine Gemeinschaft.
Dorthin, wo wir wirklich hingehören.
Und deshalb gilt auch heute:
Komm nach Hause.
Der Vater wartet.
Mit offenen Armen.
Amen.