In jedem Menschen leben viele unterschiedliche Gefühle. Wir freuen uns, sind traurig, werden wütend, haben Angst oder möchten uns manchmal einfach zurückziehen. Besonders bei einem Neuanfang können viele dieser Gefühle gleichzeitig auftreten.
Im Mittelpunkt dieses Familiengottesdienstes steht das Theaterstück „Das Gefühlschaos“. Die Kinder des Evangelischen Fröbelkindergartens erzählen darin von einem Kind, das den Kindergarten verlässt und vor dem Beginn der Schulzeit steht. Freude und Neugier begleiten diesen neuen Weg, aber auch Traurigkeit, Wut, Ekel und Angst melden sich zu Wort.
Als alle Gefühle gleichzeitig sprechen und alles zu viel wird, braucht es einen Moment der Ruhe und Menschen, die zuhören, verstehen und helfen. Langsam entsteht aus dem Chaos wieder Orientierung. Mut und Liebe zeigen dem Kind, dass es trotz seiner Angst weitergehen kann und auf seinem Weg nicht allein ist.
Der Familiengottesdienst wurde gemeinsam mit dem Evangelischen Fröbelkindergarten in der Petruskirche Steinen gefeiert.
Das war spannend zu sehen, welche Gefühle auf dem Weg zur Schule auftreten können.
Wir haben Freude gesehen, Wut, Ekel, Traurigkeit und Angst. Und vermutlich gibt es noch viele weitere Gefühle, die auftauchen können, wenn etwas Neues beginnt oder man vor einer ungewohnten Situation steht. Genau so erleben es Kinder. Aber ehrlich gesagt geht es uns Erwachsenen nicht anders.
Auch Erwachsene erleben ganz unterschiedliche Gefühle.
Manchmal freuen wir uns riesig über etwas. Manchmal sind wir wütend. Manchmal traurig. Manchmal ängstlich oder enttäuscht. Und manchmal kommt alles gleichzeitig. Dann entsteht ein richtiges Gefühlschaos.
Gefühle gehören zu uns Menschen dazu.
Sie kommen und gehen. Oft können wir sie nicht einfach steuern. Wenn wir uns freuen, dann platzt die Freude manchmal einfach heraus. Wenn wir traurig sind, müssen wir vielleicht weinen. Wenn wir Angst haben, spüren wir das oft ganz körperlich.
Gefühle in der Bibel
Dieses Auf und Ab der Gefühle finden wir nicht nur in unserem Alltag.
Auch die Bibel ist voller Geschichten von Menschen, die starke Gefühle erleben. Besonders deutlich wird das in den Psalmen. Manchmal beginnt ein Psalm voller Lob und Freude:
„Halleluja, preist den Herrn!“
Und wenige Verse später klagt derselbe Mensch über Angst, Traurigkeit oder Wut. Dann folgt wieder Dankbarkeit und Freude.
So sind Menschen eben.
Mose und seine Gefühle
Ein gutes Beispiel ist Mose.
Sein Leben ist voller Gefühle.
Zunächst ist da die Wut über Ungerechtigkeit. Diese Wut führt sogar dazu, dass er etwas Falsches tut und aus Ägypten fliehen muss. Die Wut treibt ihn weg.
Später erlebt Mose Verwunderung.
Er sieht einen Busch, der brennt und doch nicht verbrennt. Das weckt Staunen und Neugier.
Dann kommt Angst.
Als Gott Mose beauftragt, das Volk Israel aus Ägypten herauszuführen, fühlt er sich überfordert. Er glaubt nicht, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.
Doch Gott stellt ihm seinen Bruder Aaron zur Seite.
Gemeinsam schaffen sie die Aufgabe.
Und schließlich erlebt Mose große Freude, als er sieht, wie Gott sein Volk befreit.
Was Mose in all diesen Situationen auszeichnet:
Er bringt seine Gefühle zu Gott.
Er spricht mit Gott darüber.
Er sagt ihm offen, was ihn beschäftigt, worüber er sich freut, worüber er traurig ist und wovor er Angst hat.
Und immer wieder erlebt Mose:
Gott ist da.
Gott hilft.
Gott begleitet.
Jesus und seine Gefühle
Auch Jesus kennt viele Gefühle.
In den Evangelien begegnen wir einem Jesus, der sich freut, der begeistert ist, der mit Menschen feiert. Aber wir sehen auch einen Jesus, der erschöpft ist, der Angst erlebt, der verzweifelt ist und sogar wütend werden kann.
Und was macht Jesus mit seinen Gefühlen?
Er geht damit zum Vater.
Er betet.
Er spricht mit Gott.
Er bittet um Kraft, um Mut und um neue Freude.
Jesus erwartet, dass Gott ihm beisteht.
Und genau das möchte Gott auch für uns tun.
Sind Gefühle gut oder schlecht?
Gefühle gehören zum Menschsein.
Sie sind zunächst weder gut noch schlecht.
Wichtiger ist die Frage:
Wie gehen wir mit ihnen um?
Was machen wir mit unserer Angst?
Was machen wir mit unserer Wut?
Was machen wir mit unserer Traurigkeit?
Oder mit unserer Freude?
Gott möchte, dass wir mit all diesen Dingen zu ihm kommen.
Er hört uns.
Er sieht uns.
Und er möchte uns begleiten.
Unter dem Schirm des Höchsten
In Psalm 91 heißt es:
„Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“
Dieses Bild gefällt mir sehr.
Ein Schirm schützt.
Ein Schirm hält Regen ab.
Ein Schirm gibt Geborgenheit.
Darum habe ich heute einen bunten Schirm mitgebracht.
Er passt zu den vielen bunten Gefühlen, die wir gesehen haben.
So wie der Schirm Schutz bietet, möchte Gott uns schützen.
Er kennt unsere Gefühle.
Er versteht unsere Sorgen.
Er ist bei uns, wenn wir Angst haben.
Er ist da, wenn wir wütend oder traurig sind.
Und er freut sich mit uns, wenn wir glücklich sind.
Gott hilft
Manchmal hilft Gott ganz unmittelbar.
Manchmal schenkt er Frieden.
Manchmal Mut.
Manchmal neue Kraft.
Manchmal führt er uns Menschen über den Weg, die uns helfen.
Menschen, die zuhören.
Menschen, die Mut machen.
Menschen, die uns begleiten.
So wie die Helfer im Theaterstück.
Auch durch solche Menschen kann Gott wirken.
Manchmal geschieht Hilfe sofort.
Manchmal dauert es länger.
Aber Gott wirkt.
Darauf dürfen wir vertrauen.
Unsere Zuversicht
Deshalb dürfen wir mit dem Beter des Psalms sagen:
„Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“
Mit Freude.
Mit Traurigkeit.
Mit Wut.
Mit Angst.
Mit all dem, was unser Herz bewegt.
Wir dürfen zu Gott kommen.
Denn Gott kennt unser Gefühlschaos.
Und er lässt uns nicht allein.
Amen.