Trinitatis

- 31.05.2026 - 

Du bist gesegnet

Sonntagsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Prädikant Thomas Schell
 
Psalm 113
(EG 761)
 
Predigt: Du bist ein Segen
(4. Mose 6, 24 - 27)
 
Lieder:
  • EG 445: Gott des Himmels und der Erden CCLI-Nr.: 4353487
  • NL+ 180: Meine Hoffnung und meine Freude
  • EG 347: Ach bleib mit deiner Gnade CCLI-Nr.: 4835101
  • EG 170: Komm, Herr, segne uns
  • SgidH 122: Mein Jesus, mein Retter (Ruft zu dem Herrn) CCLI-Nr.: 5172193
  • SgidH 116: Lobe den Herrn, meine Seele (Der dir alle deine Schuld vergibt) CCLI-Nr.: 4933618
  • FJ1 45: Würdig und herrlich ist das Lamm CCLI-Nr.: 4325123 
  • EG 185: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herre Zebaoth
  • EG 580: Segne und behüte uns durch deine Güte CCLI-Nr.: 4834250
CCLi Liedlizenz 5100265
 
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Predigt zu: „Du bist ein Segen“

(31. Mai 2026, Prädikant Thomas Schell, Evangelische Kirche Steinen)
Eröffnung – Eine Frau in der Kirche
Liebe Gemeinde,
 
Eine Frau ist verzweifelt. Ihr Leben befindet sich in einer Krise. Sie empfindet es als sinnlos weiterzuleben. Sie geht durch die Straßen der Stadt. Sie kommt an einer Kirche vorbei.
Die Glocken läuten. Die Tür steht offen. Sie geht hinein. Es ist gerade Gottesdienst. Sie setzt sich in die letzte Bank. Dort bleibt sie sitzen, bis der Gottesdienst zu Ende ist. Als alle die Kirche verlassen haben, geht sie nach vorne und öffnet vorsichtig die Tür, hinter der der Pastor verschwunden ist. Sie trifft ihn dort noch an. Sie fragt: „Darf ich Sie einen Augenblick sprechen?“
Und dann sagt sie: „Ich war schon lange nicht mehr in einer Kirche. Am Anfang des Gottesdienstes dachte ich: Was will ich hier eigentlich? Die Lieder kannte ich nicht. Die Gebete waren mir fremd. Von der Predigt habe ich nicht alles verstanden.
Aber dann haben Sie zum Schluss ein paar Worte gesagt, irgendetwas mit: „Sieh mir ins Angesicht“. Diese Worte haben etwas in mir verändert. Ich wurde plötzlich ruhig und zuversichtlich. Darum bin ich jetzt auch zu Ihnen gekommen. Könnten Sie mir diese Worte aufschreiben? Dann kann ich sie mit nach hause nehmen.“

Der Pastor lächelt sie an. Dann zitiert er den Schlusssegen:
„Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“ „Ja, genau, die meine ich“, sagt die Frau. Der Pastor nimmt einen Zettel und schreibt das Segenswort auf. Er gibt der Frau den Zettel. Sie bedankt sich und verabschiedet sich.
Einführung in den Aaronitischen Segen
Den Predigttext brauche ich kaum vorlesen, den kennen wir alle auswendig. Das haben wir unserem lieben Bruder Martin Luther
zu verdanken, der in seiner in Deutsch gehaltenen Messe den Aaronitischen Segen einsetzte. Dieser Segen, in genau der glei-
chen Form, beendet auch den jüdischen Gottesdienst. Kennen tun wir den Segen ja schon, aber verstehen? Ich muss zugeben,
dass ich mich — gerade mit dem Antlitz — lange schwergetan habe.
Übersicht
Diese Predigt, liebe Gemeinde, hat drei Teile:
  • Gottes Segen für mich
  • Mein Auftrag zu segnen
  • Abschluss: In Jesus haben wir den ganzen Segen

Teil 1: Gottes Segen für uns

Teil 1. Gottes Segen für mich, für uns.
Das Segnen Gottes beginnt schon in der Schöpfungsgeschichte.
Gott schafft. Gott schafft die Erde, die Pflanzen und Tiere und schließlich den Menschen als sein Ebenbild, als Sein Gegenüber.
Und er sagt nicht: «Hmmh, könnte besser sein!». Er sagt auch nicht: «Ganz gut gelungen!», sondern Er sagt, als Er den Men-
schen sieht: «Wow, der ist sehr gut!», «Sehr gut!», «1a». Gott freut sich an jedem einzelnen seiner Geschöpfe. Er strahlt sie
an. Johannes Hartl hat mal eine Geschichte erzählt: Ein Engel kommt zu Gott, dem Vater. Der sitzt in seinem Atelier und formt gerade einen neuen Menschen. Entrüstet sich der Engel.
«Aber Herr, Du schaffst ja schon wieder einen Menschen. Du hast schon viele Milliarden von ihnen gemacht.» Darauf antwortet Gott, ohne den Blick von seinem neuen Menschen zu abzuwenden. «Aber schau doch mal, wie schön er ist!»
Wie ein Handwerker sein Meisterstück, oder der Architekt die fertiggestellte Hängebrücke. So schaut Gott auf Dich und mich.
Das ist Gottes Segen: Sein strahlendes Angesicht.

In der Lörracher Freien Ev. Schule, der FES, gibt es jedes Jahr ein Jahresmotto, dass in Gottesdiensten eingeführt, über das
Andachten gestaltet werden und das auf großen Banner in den Gebäuden hängt. In diesem Schuljahr 2025/26 heißt es: «Du
bist gewollt, geliebt, gesehen!» Unterschrift: Gott.
 
Ihr Lieben, das ist der Segen, der jedem von uns gilt: «Ich habe Dich gewollt, so wie Du bist.» «Ich liebe Dich — ohne Ende.»
«Ich sehe Dich, Du bist mir wichtig!» Das ist Segen, der auf uns regnet, wie ein warmer Sommerregen.
Und so wie Gott schon bei der Schöpfung uns mit guten Worten gedacht hat, so zieht sich Gottes Segen weiter durch die Geschichte. Er segnet Noah, Abraham, Isaak, Jakob. Und dann, während der Wüstenwanderung, als Mose vom Berg heruntergekommen ist mit den Geboten, da befiehlt Gott dem Aaron, dem Bruder Moses und dem ersten Priester Israels: Jetzt sollst du das ganze Volk segnen, und du sollst es immer wieder tun, und nach dir sollen es alle Priester so tun mit diesen Worten, die wir eben gehört haben. Das ist der «aaronitischen» Segen.
Der aaronitische Segen
Er beginnt mit
Der HERR segne Dich.
Wenn wir als Christen von Segen sprechen, dann vom Segen dieses einen Gottes: dem Schöpfer des Himmels und der Erde, dem
Bewahrer allen Lebens, den Vater Jesu Christi. Wir segnen im Namen Gottes, also in seinem Auftrag und nicht aus eigenen
Kräften.
Der HERR behüte dich.
Er schütze dein Leben. Bewahre es vor allem Lebensfeindlichen. Vor Gefahr und Krankheit, vor Unfall und Leid, vor allem, was
Dich am Leben hindern will. Dein Leben soll sich voll entfalten können.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir.
Wenn Du einen geliebten Menschen am Bahnhof abholst, und dann geht die Tür auf und Du siehst sein Gesicht, dann strahlst
Du. Wenn Großeltern nach einer Zeit die Enkel in die Arme schließen, dann strahlen beide, die Enkel und die Großeltern.
Das ist dieser Wunsch: Gott, der Vater, Er möge sich Dir zuwenden und Dich anstrahlen. Gott strahlt, wenn er dich sieht, das ist Segen. Und wisst Ihr was: diese Freude Gottes über Dich wärmt und lässt Dich glücklich sein.
Und noch etwas steckt in diesem Vers: Gott hat ein Gesicht.
Für manche Menschen mag das schwer vorstellbar sein. Aber Gott ist eben mehr als eine spirituelle Kraft, mehr als eine kosmische Energie. Wenn Jesus Gott als Vater anredete, dann macht er deutlich: Wir können zu Gott eine Beziehung haben, wie zu unserem eigenen Vater. Gott ein persönlicher Gott. Und dann dürfen wir uns auch vorstellen, dass Er ein Gesicht hat.
… und sei dir gnädig.
Eigentlich müsste es heißen: Gott sei dir solidarisch, er stehe an deiner Seite, er sei dein Freund. Er sei immer da, wenn du ihn brauchst. Er möge dich annehmen, so wie du bist. Mit allen Stärken und Schwächen. Er möge dir verzeihen, wenn du etwas falsch gemacht hast.
Der Herr hebe sein Angesicht über dich.
Wenn wir uns unfrei fühlen, wenn wir etwas ausbrüten oder uns etwas peinlich ist, dann senken wir den Kopf. Wenn ich jemanden nicht in die Augen sehen will, dann stimmt vielleicht in der Beziehung etwas nicht. Gott, so wünscht dieser Segen, möge sein Gesicht heben, uns offen und ohne Zorn anschauen, und er möge zugleich sein Gesicht so über uns beugen, wie eine Mutter über ihr Kind im Bett.
… und gebe dir Frieden.
Schalom. So steht es in der Bibel: Er gebe dir Schalom. Das meint: Befriedigung. Gott gebe dir alles, was du brauchst, dass du zufrieden sein kannst. So wie ein Baby, wenn es getrunken hat, ganz und gar befriedigt ist. Nur Gott kann uns den inneren Frieden geben, der alle anderen Begierden und die Sucht nach kurzzeitiger Befriedigung überflüssig macht. All das meint Schalom.
Zusammenfassung Teil 1
Gott segnet uns in vielfältiger Weise: mit Gesundheit, mit Finanzen, mit Zeit, mit Freude, mit guten Freunden und tiefen Beziehungen, mit der Gemeinde, zu der wir gehören und mit Seinem Wort.
 
Das heißt nicht, dass wir immer alles davon haben. Es wird für alle Ewigkeit immer nur rosig sein, sondern es heißt auch: Der Herr ist mein Hirte. Er behütet mich, auch wenn ich durch ein dunkles Tal in meinem Leben hindurchmuss. Er tröstet mich und er gibt mir neue Kraft (vergleiche Psalm 23).
Ja, liebe Gemeinde, das ist es: Den größten Segen, den Gott uns geschenkt hat, ist der Hirte Jesus Christus. In ihm haben wir alles.
Sein Leben, Leiden, sein Tod am Kreuz und seine Auferweckung, all das hat Gott viel gekostet. So ist der Segen im Gottesdienst immer mit dem Kreuzzeichen verbunden, weil dieser Segen Gott so viel gekostet hat. Das Kreuzzeichen spricht über Freunde und Feinde aus: auch für Dich ist ER gestorben, und auch Dir gilt sein Segen, sein Frieden, seine Liebe.
Aber in jeder Situation, und ist sie noch so verfahren und schwierig. Sei Dir sicher: Du bist gesegnet! — Du bist gesegnet!

Teil 2: Mein Auftrag zu segnen

Themenwechsel und Teil 2: Mein Auftrag zu segnen.
Wenn ein amerikanischer Politiker seine Wahlkampfrede oder irgendeine andere Rede beendet, was sind die abschließenden Worte? „God bless you! And God bless the United States of America!“ „Gott segne Euch! Und Gott segne Amerika!“
Wie mit allen Worten, ist es fraglich, wie ernst die Worte gewählt werden. Manchmal sind es nur Sprüche, aber sie haben einen wichtigen Kern: der Segen des HERRN wird erbeten. Warum immer nur auf die USA bezogen, sei dahingestellt.
Im deutschen Sprachgebrauch ist das „Gott segne Dich!“ nur noch unter Christen zu finden. Und wenn Menschen sich in der Kantine «Mahlzeit» zurufen, dann war das eigentlich einmal:
«gesegnete Mahlzeit».
Segnen — Ein Geschenk und ein Auftrag
Segnen, liebe Geschwister, das ist ein Auftrag Gottes an uns — und gleichzeitig ein Geschenk für uns. Segnen gehört zu den Aufgaben, mit denen Christen in die Welt gesandt werden. Und was wir alles segnen dürfen und können:
  • Da sind erst einmal die Menschen, denen wir unmittelbar begegnen. Stellen wir sie doch einfach unter Gottes Segen: «HERR, lass diesen Menschen Deine Liebe, Deine Herrlichkeit und Gnade spüren.» Und wenn wir am Ende ei nes Gesprächs, einer Begegnung, auch mit Fremden, dann einfach sagen: «Auf Wiedersehen. Und Gott segne Sie!» oder «Tschüss, Ferdinand, sei gesegnet!», dann drücken wir aus, dass wir glauben, und dass wir dem Menschen sehr zugewandt sind.
  • Wir können uns selbst, unsere Versammlung, den Hauskreis unter Gottes Segen stellen. «HERR, wir wünschen uns, dass Du unser Mittelpunkt bist und dass wir den Himmel offen sehen dürfen durch Dich.»
  • Wir können und sollen — und das mag uns manchmal schwerfallen — gerade die segnen, die uns auf den Wecker gehen. Die, die uns durch Gerede schlecht gemacht haben, die, die gegen uns sind. «Gott sagt: segnet, die Euch fluchen. Tut wohl denen, die Euch hassen, bittet für die, die Euch verfolgen.» So bittet uns Jesus in der Bergpredigt. Nun begegnen wir nicht ständig Menschen, die uns fluchen, aber sie gibt es schon: die Klatscher und Tratscher, den unangenehmen Nachbarn, die Kollegin, die dich nicht ausstehen kann und das allen zeigt.
    Dieser Segen für die uns unsympathischen, für die, denen wir gerne aus dem Weg gehen, die uns gerade verärgert und das Lebens schwer gemacht haben — dieser Segen ist vielleicht der wichtigste Segen, denn gerade diese Menschen brauchen den Segen am meisten.
    Wenn ich meinen ärgsten Gegner an der Arbeitsstelle segne, dann ändert sich auch meine Einstellung zu ihm oder ihr. Wenn ich weiß: dieser Mensch ist jetzt auch von Gott gesegnet, und Jesus ist ja bereit, den Menschen auch zu lieben und zu führen, dann will ich nicht meinen Groll behalten. Ja, dann fällt es mir leichter, Frieden zu finden.
  • Ich habe auch einmal erfahren, dass man in der Firma Projekte segnen kann. In den großen Firmen in Basel gibt Gebetskreise, in denen sich Christen treffen, um Gottes Wort auszutauschen, Gebetsanliegen zusammen zu tragen und dann gemeinsam für die Firma, vor allem die Vorstände zu beten.
    Einmal kam eine Koreanerin zu uns in einen firmeninternen Gebetskreis. Sie war sehr froh, uns gefunden zu haben. Sie war mit der festen Überzeugung gekommen, dass in der Schweiz, einem Land, in dem das Kreuz sogar die Fahne schmückt, alle Menschen Christen sind. In Korea, sagt sie, sind etwa 40% aller Kollegen bekennende Christen. Man trifft sich einfach mit Kollegen zum Gebet. Und man bittet, bevor ein großes Projekt gestartet wird, Gottes Segen auf das Gelingen herbei.
  • Aber Gottes Segen ist für noch viel mehr Dinge da. Unsere katholischen Geschwister haben viel mehr Segensrituale als wir: da gibt es die Flurprozession, während der Gottes Segen auf ein Stück Land erbeten wird, da gibt es Segnungsgottesdienste für werdende Familien, für Familien mit kleinen Kindern, für Jubilare. Vielleicht sollten wir davon lernen, und unsere Segensgebete ausweiten.
  • Als meine Frau und ich 1995 ein kleines Haus im Schwarzwald gekauft haben, waren wir ganz fröhlich über diese Neuanschaffung und die vielfältigen Möglichkeiten, aus diesem Häuschen etwas zu machen.
    Erst beim Notartermin erfuhren wir, dass wir das Haus von einer Hellseherin gekauft hatten. Das war ein Schock.
    Aber wir wussten ja auch: Gottes Geist ist stärker. Ihm trauen wir viel mehr zu. Deshalb haben wir das Haus unter Gottes Geist und Segen gestellt: erst haben wir all die Bilder mit Darstellungen von Feuer und Licht und anderen esoterischen Symbolen, die wir im Haus fanden, verbrannt.
    Und dann sind wir auf die Knie gegangen und haben Gottes Heiligen Geist gebeten, einzuziehen und dabei alle anderen Geister herauszuwerfen. Damit diese Häuschen zum Segen wird für uns für alle, die ein und ausgehen.
    Ja und dann ist Gott eingezogen und die vielen kleinen Bilder im Treppenhaus, die Gesichter zeigen, zeugen davon, wie viele Menschen schon in dem Haus zu Besuch waren und gewohnt haben.
Den Himmel öffnen
Kann man den Himmel öffnen? Kann man den Himmel über einem Menschen öffnen? Ja, das kann jeder von uns. Denn einen Menschen segnen heißt nichts anderes, als dass wir den Himmel auf den Menschen herabbitten: HERR, öffne die Pforte zu Deiner
Herrlichkeit und lass einen Strahl Deiner Liebe auf diesen Menschen fallen.
Kürzlich sagte mir ein Freund: «Ein Mensch, der segnet, ist wie ein Ritz in einer Mauer, durch den die Herrlichkeit Gottes herüberstrahlt.»
Segenswünsche bringen Menschen mit dem Himmel in Verbindung. Und darum hat Gott schon immer Menschen gebeten: Sei ein Segen! Zu Abraham hat Gott gesagt: «Ich will Dich segnen und Deinen Namen groß machen, und Du sollst ein Segen sein!»
Bei Abraham ist Gott noch weiter gegangen: Und durch Dich sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden (Genesis 12, 2f).
Und aus Galater 3 wissen wir: Der Segen Abrahams, der ja eigentlich Israel galt, ist auf alle Völker übergegangen. Da heißt es: Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus.»
Ich muss noch etwas sagen zu Segen und Fluch. Beides wirkt. Einen Menschen oder ein Volk verfluchen, das funktioniert auch. Und es ist das Gegenteil vom segnen: ich wünsche dem anderen nichts Gutes. Bileam, ein Prophet Gottes, sollte Israel verfluchen im Auftrag eines Königs verfluchen. Bileam hat es nicht getan, weil er auf Gott hörte. Nachzulesen in 4. Mose 22 - 24. Aber wir lesen in der Bibel oft von Flüchen, die sogar Pflanzen verdorren lassen können.
Mein Urgroßvater war Bergmann und er war jemand, so ist es überliefert, der gut fluchen konnte. Untertage gibt es vielleicht ja auch viele Ereignisse, bei denen einem ein Fluch ausrutscht. Obwohl er von zu Hause aus Gott kannte, hatte er es sich offensichtlich anders angewöhnt.
Und dann wurde er untertage eingeschlossen. Es war, als wollte Gott ihn dazu zwingen, sein Leben neu zu sortieren. Vielleicht war Gott auch einfach nur das Fluchen satt. Und so hat mein Urgroßvater in der Dunkelheit ein Gelübde abgelegt, heute sagt man «Einen Deal gemacht»: „HERR, wenn ich noch einmal hier herauskomme, dann will ich nur noch — Deinen Weg gehen.“ Und er kam heraus, und schrieb in seinem Dorf in großen Buchstaben in den Schnee: „Carl Schell ist ein Sünder!“
Er hat das sehr ernst genommen. Er wurde Erweckungsprediger, zog über die Dörfer des Oberbergischen Landes bei Köln und predigte. Und segnete. Er gründete Vereine für junge Männer und Sonntagsschulen für Kinder. So kann Gott Menschen umdrehen, von fluchenden in segnende Menschen.
Zusammenfassung Teil 2: Du bist ein Segen!
Mit einem Segenswort, ob leise oder laut über einem Menschen ausgesprochen, können wir den Himmel über ihm öffnen und Gott wirken lassen. Ja, hol Du den Himmel auf die Erde. Segne!
  • Segne aus vollem Herzen.
  • Segne in aller Liebe.
  • Segne mit Freude.
Gleich, am Ende des Gottesdienstes, wollen wir uns den Segen gegenseitig zusprechen. Den Segen über dem Nachbarn in der
Kirchenbank ausgießen!
Und gleich im Anschluss, nach dem Lobpreis, werden wir Gottes Segen auf die wunderbare Art des Abendmahls erfahren: Er bricht das Brot für uns und Er reicht uns seinen Kelch des Heils.

Teil 3 und Fazit: In Jesus haben wir alles

Himmelfahrt
Als Jesus in den Himmel aufgefahren ist, beschreibt Lukas da so: «Und es geschah, indem er sie segnete, schied er von ihnen und wurde aufgehoben in den Himmel.» Lukas 24, 51
Jesus hat den Himmel über seinen Lieben geöffnet und sie aus vollem Herzen gesegnet.
 
Liebe Gemeinde, wir leben in einer unendlichen Spannung auf dieser Welt. Politisch, gesellschaftlich, mit einem unsäglichen Zeitgeist, der alles ins Negative zieht. Da müssen wir selbst viel aushalten, ausloten, die Wahrheit finden. Aber gerade deshalb halten wir fest an Gott, an seinem Segen. Denn, wie es meine Oma immer sagte: «An Gottes Segen ist alles gelegen!»
Egal, was um uns herum geschieht: Wir sind in dieses Zeitfenster der Geschichte hineingeworfen worden. Wir, als Kinder Gottes, sind auf dem Pilgerweg. Jeder für sich und wir als Gemeinde auch. Wir pilgern zu dem Ziel, das Gott uns vorgibt: die Ewigkeit in Gottes Gegenwart.
Auf diesem Weg sind wir schon jetzt Beschenkte und Gesegnete. Vorne geht Jesus voran. Und das ist unser Auftrag: wir laden jeden am Straßenrand ein: «Komm, geh mit. Komm und sieh! Da vorne, das ist Jesus, der Erlöser. Bei Ihm gibt Segen umsonst und ohne jede Bedingung. Komm — geh mit.»
 
Amen.