Exaudi

- 17.05.2026 - 

Herzlich glauben

Sonntagsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfarrer Ingo Meißner
 
Lesung: Jeremia 31, 31 - 34
 
Predigt: Herzlich glauben
(Jeremia 31, 31 - 34)
 
Lieder:
  • EG 455: Morgenlicht leuchtet
  • EG 324: Ich singe dir mit Herz und Mund CCLI-Nr.: 4337788
  • FJbo 43: Vater, deine Liebe ist so unbegreiflich groß CCLI-Nr.: 5290154
  • FJbo 91: Treu (Du bleibst an meiner Seite) CCLI-Nr.: 4328979
  • FJ2 78: Herr, deine Gnade, sie fällt auf mein Leben CCLI-Nr.: 5227419
  • EG 170: Komm, Herr, segne uns
CCLi Liedlizenz 5100265
 
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Predigt zu: „Herzlich glauben“

(17. Mai 2026, Pfarrer Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
 
Mit Herz und Mund singen.
 
Mit dem Mund singen ist ja irgendwie logisch. Wo können sonst die Geräusche raus?
 
Mit dem Mund singen das ist - etwas Begabung vorausgesetzt - für jeden mehr oder weniger leicht möglich. Aber für die meisten Menschen funktioniert das ganz gut. Mit Training dann umso besser.
 
Aber mit dem Herzen singen? Ist nicht ganz so einfach.
 
Wir können schon so tun, als ob wir mit innerer Überzeugung singen, dass andere den Eindruck haben, die meinen auch, was sie singen. Kein Mensch kann in unser Herz sehen.
 
Doch da bewegen wir uns dann auf der Showebene. Wir produzieren etwas. Das geht schon. Kann auch andere Menschen beeindrucken und etwas bewirken. Und ist erst mal auch gar nicht schlecht an sich. Es bewirkt ja etwas Gutes: super Stimmung, Menschen werden angesprochen, gehen verändert aus dem Konzert. Sie wie beim ESC-Finale gestern Abend.
 
Eine wirkungsvolle Show aufführen kostet aber auch sehr viel Übung und Kraft. Wenn ich es irgendwie aus mir heraus produzieren muss.
 
Und wenn die Show rum ist, die Spannung nachlässt, kann man dann schon mal schnell in ein Loch fallen.
 
Mit dem Glauben kann es ähnlich aussehen.
 
Ich sage heute: Glaube ist „herzlich“, ist Herzensangelegenheit. Es geht um „herzlich glauben“.
 
Herzlich, herzhaft Glauben - kräftig bestimmt zuversichtlich hoffnungsvoll glauben.
Das möchte Gott und uns schenken.
 
Christen sind in dem Sinn „Herzensmenschen“.
 
Weil der Glaube uns von Gott in unser Herz gegeben ist. Wir von innen heraus uns immer wieder neu von Jesus und seinem Heiligen Geist füllen lassen können.
 
Und wir dann so leben, wie Gott es für uns vorgesehen hat. Ein gutes, erfülltes Leben mit ihm an der Seite.
 
Herzlich glauben.
 
Das ist ein Glaube aus intrinsischer – also einer eigenen inneren Motivation heraus - nicht weil wir es müssen, oder ständig nur gesagt bekommen müssen.
 
Herzlich glauben ist auch ein mündiger Glaube.
 
Wir lassen uns dann nicht immer wieder neu von jeder fremden Lehre, von jedem Lebenssturm in unseren Grundfesten erschüttern, sondern wir leben aus Glauben. Wir wissen in unserem Herzen, was wir haben und sind.
 
Wie ist das mit dieser Motivation von innen heraus?
 
Wenn uns jemand sagt „du musst, du sollst“. Das funktioniert meist nur äußerlich. Vielleicht wie in der Schule, oder auf der Arbeit. Wenn der Chef mal wieder drängelt. „Du musst!“.
 
Doch wie gerne ich es dann tue, zeigt sich im stillen Kämmerlein, wie ich darüber denke und ob ich es auch noch mache, wenn mich keiner beobachtet oder wenn der Druck von aussen weg ist.
 
Dann zeigt sich, mit welcher inneren Überzeugung ich es tue.
 
Bsp im Sport: wie gerne tue ich es? Mache ich es nur, um anderen zu gefallen? Um gut anzukommen, um angeben zu können? Oder gehe ich raus und laufe, schwimme, klettere, fahre Rad, wandere, gehe ins Fitnessstudio weil ich es einfach gerne mache? Rain oder Shine? Ob es regnet oder die Sonne scheint? Ob einer zuschaut oder auch nicht?
 
Oder reicht schon die kleinste Ablenkung und ich bin gerne bereit mich davon abbringen zu lassen? Und erst recht bei größeren Ablenkungen? Oder auch, wenn gar keiner zuschaut?
 
Das war damals zur Zeit des Jeremia, zur Zeit des sogenannten Alten Bundes insgesamt auch das Problem.
 
Gott gab gute Lebensregeln. Hilfreiche Regeln die andere schützen sollten - und auch mich, weil sich ja andere daran halten sollten.
So der Gedanke bei all den Gesetzen und Geboten des Alten Testaments. Und Gott wollte dann seinen Segen ausschütten. Gutes schenken.
 
Da gab es den Bund im Garten Eden. Klappte nicht.
Da gab es den Noahbund. Klappte bald auch schon wieder nicht.
Da gab es den Abrahamsbund. Auch hier blieben die Menschen nicht eng von sich aus mit Gott verbunden.
 
Und es gab den Mosebund, den am Berg Sinai mit den 10 Geboten.
 
Und immer wieder ging es in die Hose mit seinem Menschen. Sie bekamen es nicht hin. Bundesbruch. Immer wieder.
 
Die Folge waren dann Not, Kriege, Schmerz und Leid. Und Gott half immer wieder, wenn die Menschen ihn anflehten.
 
So auch zur Zeit Jeremias. Krieg, Not und Elend überall.
 
Letztlich, weil der Mensch es immer wieder ohne Gott versuchte, es besser wusste. Weil die Gottesdienste eher fromme Show waren. Und man dann im Privaten – oder auch auf Staatsebene – anders handelte.
 
Da sagt Gott durch Jeremia: es ist genug! So wird das doch nichts.
 
Es braucht einen neuen Bund. Etwas komplett Neues. Was nachhaltiger wirkt.
 
Etwas, was von innen heraus kommt. Etwas, was die Menschen von innen heraus verändert, damit sie gerne in Gemeinschaft mit Gott sind und bleiben. Und ihm nachfolgen.
 
Veränderung von Innen.
 
„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich einen neuen Bund schließen. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß. Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“
 
Der neue Bund ist ein „Herzbund“.
 
Gott schenkt seinen Herzbund, bietet ihn damals und uns heute auch immer wieder neu an.
 
Täglich ist seine Hand ausgestreckt:
„Schlag ein - lass dich mit mir verbinden („verbunden“) - ich will es tun. Ich habe alles getan - weil ich dich lieb habe.“
 
Der neue Herzbund ist keine gegenseitige Verpflichtung mehr, wie beim Bundesschluss am Sinai.
 
Dort galt: „wenn du tust, dann werde ich auch tun“ (z.B. Treue halten ewiglich, Segen spenden, nicht fluchen etc.)
 
Wie kommen wir nun in diesen Herzbund?
 
Woher beziehen wir diese innere neue Kraft? Gottes Sinn in unserem Herzen? Dass wir wie von selbst laufen können?
 
Gott wird sie in uns „einpflanzen“. In unseren Sinn und unser Herz.
 
 
Siehe, es kommt die Zeit… heisst es bei Jeremia.
 
Und es kam die Zeit. Und es kam die Zeit da Maria gebären sollte und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe…
 
Es geht um Jesus.
 
In Jesus Christus wird der neue Bund Realität. Er ist menschgewordene göttliche Herzlichkeit. Der Garant des Herzbundes.
 
Jesus bezieht das Wort vom neuen Bund nämlich direkt auf sich. In ihm wird letztlich allen Menschen der neue Bund angeboten.
 
Wie und wo passiert das? Im Abendmahl.
 
Neuer Bund bei Lukas und Paulus:
Lukas 22,19: Und als er ein Brot genommen (und) gedankt hatte, brach er (es) und gab (es) ihnen, und sprach folgendermaßen:
„Dies ist mein Leib, der für euch gegeben ist. Dies tut zu meiner Vergegenwärtigung.“
20: Und ebenso (nahm Jesus) den Kelch nach dem Essen, folgendermaßen: „Dieser Kelch (ist) der neue Bund(errichtet von Gott) in meinem Blut, das für euch vergossen ist.
 
Oder Paulus ähnlich:
1 Korinther 11, 25: der Kelch, der Wein, ist der neue Bund, „neues Testament“ (Luther) in meinem Blut zur Vergebung der Sünden vergossen
 
Jesus deutet seinen bevorstehenden gewaltsamen Tod dahingehend, dass durch seine freiwillige Lebenshingabe für andere Gott der neuen Bund zustande kommt.
 
Er opfert sich für uns. Und der neue Bund wird durch sein vergossenes Blut Realität.
 
Der neue Bund.
 
Der von nun an seinen Nachfolgern angeboten wird. Und sie können Bundesgenossen werden und es sich durch das Abendmahl zusprechen lassen.
 
Zunächst die Jünger. Später dann alle Menschen in der Gemeinde der Jesusnachfolger. Juden wie Nichtjuden.
 
Allen Menschen wird dieser neue Bund angeboten.
 
Sünde wird vergeben. Die Trennung zwischen Gott und Mensch ist durch Jesu Tod ein für alle mal aufgehoben.
 
Das Abendmahl ist in dem Sinn verstanden Zueignung-, Erinnerungs-, Verbündungs- und „Einpflanzungs“mahl.
 
Jesus bietet uns Vergebung der Sünden, den neuen Bund, die neue Gemeinschaft, den herzlichen Glauben, den Glauben von innen heraus an. Immer wieder neu.
 
Jesus ist das einzige Opfer, das es braucht zur Vergebung der Sünden. Ein für alle mal.
 
Wir können noch so schaffen, machen und tun. Das wird uns Gott nicht näher bringen.
 
Nur im Annehmen, es akzeptieren, dass es für mich / uns geschehen ist, bekommen wir Anteil an Gott, „verbünden“ uns neu mit ihm. Bekommen die neue Herzkraft.
 
So ist es wichtig, dass wir immer wieder auch das Abendmahl feiern.
 
 
Und wenn ich mal kein Abendmahl einnehmen kann?
 
Gibt es einen anderen Weg der Zueignung des veränderten Herzens? Dass ich herzlich glauben kann? Wo ich immer wieder kommen kann und sagen: „Herr ich brauche deine Veränderungskraft?“
 
Es ist die Gabe des Heiligen Geistes.
 
Durch den Heiligen Geist bekommen wir seinen Sinn, den Jesussinn, immer wieder neu in unser Herz eingehaucht - wenn wir es wollen und darum bitten…
 
„Gottes Geist wird über ALLES Fleisch (Joel 3) ausgegossen werden“. So heisst es schon im Alten Testament bei Joel.
 
Und in Zeiten der Apostelgeschichte wird klar: da fängt es an und breitet sich immer mehr unter den Menschen aus.
 
Bis heute. Bis hier in Steinen.
 
Und wir dürfen ihn immer wieder neu um seine Kraft bitten. Darum beten. Ihn in Anspruch nehmen.
 
Ihn bitten, dass er uns von innen heraus verändert. Uns seinen Mut, seinen Frieden, seine Stärke, Weisheit und vieles mehr schenkt.
 
Darum bitten, dass wir herzlich glauben können. Kräftig bestimmt, zuversichtlich, hoffnungsvoll aus innerer Motivation heraus.
 
Christen sind Herzensmenschen.
 
Weil der Glaube uns von Gott in unser Herz gegeben ist. Wir von innen heraus uns immer wieder neu von Jesus und seinem Heiligen Geist füllen lassen können.
Und wir dann so leben können, wie Gott es für uns vorgesehen hat. Ein gutes, erfülltes Leben mit ihm an der Seite.
Und dann brauchen wir nicht mehr einander zu belehren, wie jesusgemässer Lebensstil aussieht. Sondern wir haben es im Herzen, leben seinen Lebensstil der Liebe, der Annahme und Vergebung aus seiner Kraft heraus.
Und wir können glauben, hoffen, vertrauen, wo aus rein menschlicher Sicht nichts mehr zu glauben, zu hoffen oder zu vertrauen ist.
Weil es uns eine Herzensangelegenheit geworden ist.
Und wir es gerne tun. Aus uns heraus.
Dann ist nicht mehr die Frage: what would Jesus do? Also: was würde Jesus tun?
Sondern wir wissen es und wir können sagen: I do what Jesus did! Ich tue das, was Jesus tat!
Mit seiner Kraft, erfüllt von seinem Geist als Motor- und Kraftquelle.
 
Amen