Susannah Spurgeon - Die Frau des Predigtfürsten | Segensspuren

- 31.08.2025 - 

11. Sonntag nach Trinitatis

Susannah Spurgeon stand nicht nur an der Seite eines berühmten Predigers. Trotz Krankheit baute sie einen Bücherfonds für Prediger auf und führte ihre Arbeit nach dem Tod ihres Mannes fort.
Prädikant Ernst Volz erzählt von ihren eigenen Segensspuren und ihrer Ermutigung: „Schau auf Jesus.“

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Wer war Susannah Spurgeon jenseits der Rolle als Ehefrau des berühmten Predigers Charles Spurgeon?
 
Sie unterstützte seinen Dienst, ging aber auch einen eigenen Weg: Mit einem Bücherfonds versorgte sie Prediger, die sich geistliche Literatur nicht leisten konnten. Und sie führte diese Arbeit trotz eigener Krankheit und nach Charles’ Tod weiter.
 
In dieser Predigt der Sommerkirche „Segensspuren“ erzählt Prädikant Ernst Volz von Susannahs Glauben, ihrer Tatkraft und einer Ermutigung, die sich durch die Predigt zieht: Schau auf Jesus, gerade wenn der eigene Weg beschwerlich wird.

Predigt zu „Susannah Spurgeon - Die Frau des Predigtfürsten“

Sommerkirche
(31. August 2025, Prädikant Ernst Volz, Evangelische Kirche Steinen)
 
Zuerst eine Frage, dieses Mal aber ausschließlich an die Männer unter uns:
Sagt ihr zu euren Frauen auch ab und zu mal: „Frauchen, was soll ich tun?“
 
Zugegeben: Ich frage das immer wieder einmal. Gut, ich sage jetzt nicht „Frauchen“ sondern einfach wie gewohnt „Ruth, was soll ich tun?“
Wenn ihr so etwas eure Frauen auch fragt, dann ist das keinesfalls ein Zeichen von Schwäche oder ein einer beginnenden Alterserscheinung (Alterssenilität), nein im Gegenteil, dann ist das ein Zeichen von Charakterstärke und Demut.
 
Zugegeben: Manchmal fragen wir unsere Frauen ja auch nur der Formhalber: „“Was soll ich tun? wissen aber bereits schon lange, was wir tun werden. Und dann wundern wir uns, wenn wir als Antwort bekommen. „Wenn du doch die Antwort schon kennst, warum fragst du dann überhaupt noch?“
 
„Frauchen, was soll ich tun?“
 
Dieses Zitat stammt übrigens von keinem anderen, als dem größten und bekanntesten Prediger, den es je gegeben hat, nämlich von Charles Spurgeon. 
 
„Frauchen, was soll ich tun?“
 
Das hat Charles immer wieder seine Ehefrau Susannah gefragt.
 
Und dabei ging es oft um die Auswahl des Predigttextes, wenn sich nämlich der Ehemann noch nicht darüber sicher war, über was er am nächsten Tag predigen sollte. 
 
Bekanntermaßen war ja Charles Spurgeon ein Prediger, der tausende von Menschen gleichzeitig begeistern konnte und das nicht nur weil er ein brillanter Redner war, sondern vor allem weil er mit Vollmacht predigte.
 
Und obwohl er schon im 19. Jahrhundert gelebt hat, gehören seine Predigten auch heute noch zu den besten. 
 
Spurgeon war zu Lebzeiten schon eine Legende und so berühmt, dass Menschen, die damals Großbritannien besuchten bei ihrer Heimkehr gefragt wurden: „Habt ihr die Queen gesehen?“ und in einem Atemzug: „Habt ihr Spurgeon gehört?“
 
Spurgeon war aber nicht nur der Starprediger schlechthin, sondern noch viel mehr. Er war ein leidenschaftlicher Kämpfer für verlorene Seelen.
 
Nun muss man aber wissen, dass er das alleine nie geschafft hätte. Kein Mensch kann so etwas alleine schaffen.
 
Ja, und wie hatte er das denn geschafft?
 
Zum einen durch den Beistand und die feste Verbindung mit seinem geliebten Herrn und Heiland Jesus, zum anderen aber von -ich zitiere- seiner „besseren Hälfte“, von Susannah seiner geliebten Frau.
 
Und um diese geht es ja heute in erster Linie.
 
Und dazu habe ich nachgeforscht in verschiedenen Büchern und Berichten, vor allem aber in dem äusserst interessanten Buch „Susannah Spurgeon. Die Frau an der Seite des Predigerfürsten“ von Charles Ray, das übrigens zum ersten Mal schon im Jahre 1905, gerade mal 2 Jahre nach ihrem Tod verfasst wurde, und vor einigen Jahren in einer Neuauflage in deutscher Sprache erschienen ist.
 
Susannah Spurgeon. Die Frau an der Seite des Predigerfürsten.“ So heisst ja auch der Titel der heutigen Predigt.
 
Und ich hoffe, dass sie am Ende der Predigt mit mir eins sein werden in der Feststellung: Das war kein „Frauchen“, das war ein faszinierende, starke Frau und Persönlichkeit, die nicht nur treu den Spuren ihres berühmten Mannes gefolgt ist, sondern eigene tiefe Spuren hinterlassen hat, Spuren die bis in die heutige Zeit hineinreichen.
 
Und das Beste ist: Wir alle können auch heute noch von ihr lernen und profitieren. 
 
So können wir uns durch ihr Beispiel auf unserem eigenen Glaubensweg dazu anspornen zu lassen auch dann nicht aufzugeben, wenn unser Weg mal dornig oder steil wird und nicht alles so läuft, wie wir es uns einmal vorgestellt hatten. 
 
Und genau diesen Weg mussten die Spurgeons oft gehen- den steilen und dornigen.
 
Ja, und fast automatisch werden wir bei der Betrachtung von Susannahs Lebensweg auch begreifen, dass das Wort „Frauchen“ damals auch keine Verniedlichung seitens des Ehemanns Charles war, sondern eines seiner zahlreichen Liebesbekundungen an seine geliebte und geschätzte Frau Susannah.
 
Ganz nebenbei zum Begriff „Frauchen“ ist mir folgender Gedanke gekommen: Käme uns Männer das vielleicht heutzutage nicht auch komisch vor, wenn unsere Frauen uns ab und zu mal fragen würden: „Männchen, was soll ich tun?“ Natürlich sagen unsere Frauen stattdessen „Liebling, was soll ich tun“- wenn wir Glück haben. 
 
Nun aber zuerst zum besseren Kennelernen derjenigen Frau, von der heute die Rede ist und die heute im Mittelpunkt steht. 
 
Susannah Spurgeon lebte von 1832-1903. 
 
Als sie in ihrer Jugend mit ihrer Familie einmal eine Kirche besuchte, erlebte sie während dem Gottesdienst eine persönliche Hinwendung zum Glauben. Aber dieses Erlebnis ging bald im Alltag wieder unter. 
 
Eines Tages predigte aber der 19-.jährige Charles Spurgeon zum ersten Mal in dieser Kirche. Susannah war zwar an diesem Abend nicht besonders beeindruckt von diesem jungen Prediger, aber je öfters sie ihm zuhörte, desto mehr erwachte in ihr der Wunsch von ganzem Herzen ihr eigenes Leben ganz dem Glauben zu widmen.
 
Charles und Susanne lernten sich in der Folgezeit dann immer besser kennen, und schließlich wurde sie seine Frau. 
 
Die folgenden Ehejahre waren von einer tiefen Liebe der Partner zueinander geprägt. Sie litten aber beide unter schmerzhaften Krankheiten, die ihre Möglichkeiten stark einschränkten. Trotzdem setzten sie sich mit ganzer Kraft für ihren Glauben ein. 
 
Neben der Unterstützung der vielfältigen Aktivitäten ihres Mannes, war Susannahs großes Anliegen die Beschaffung von Büchern für Prediger. Da Pfarrer damals kaum genug verdienten, um ihre Familien zu versorgen - salopp ausgedrückt „so arm wie Kirchenmäuse“ waren, gab es für sie keine Möglichkeit sich mit guter, geistlicher Literatur weiterzubilden.
 
Trotz der erwähnten gravierenden Einschränkungen, arbeitete Susannah unermüdlich und bis an ihr Lebensende für dieses Werk. Sie nahm Spenden an, las Anfragen der Prediger, und besorgte und verschickte dann die gewünschte Literatur. 
 
In dem erwähnten Buch von Charles Ray werden die wichtigsten Ereignisse aus ihrem reichen Leben beschrieben. Was beim Lesen besonders immer wieder auffällt, ist die große Liebe des Ehepaares zueinander. Sie mussten wegen ihren Krankheiten sogar oft getrennt sein, und darum schrieben sie sich sehnsuchtsvolle Briefe. Susannah unterstützte ihren Mann von Herzen gerne. Und obwohl sie selbst auch nicht vermögend waren, war ihr Leben reich, erfüllt und gesegnet.
 
Und obwohl der Ehemann schon mit 58 Jahren – also 11 Jahre vor ihrem eigenen Tod starb, arbeitet sie unermüdlich und oft unter den härtesten Bedingungen an ihrem Werk weiter.
 
Besonders ermutigend ist es auch – wenn es auch zunächst paradox klingen mag- von Susannahs Tod im Jahr 1903 zu lesen. Nachdem ihre Kraft nach langer Krankheit zusehend abnahm ab, starb sie schließlich mit einem strahlenden Gesicht, weil sie – wie es berichtet wird - Jesus in seiner Herrlichkeit sah.
 
In einem Kommentar zum erwähnten Buch heisst es: „Das Buch ist für Spurgeon-Leser bahnbrechend. Es gibt Einblick in die Ehe und den Dienst der Spurgeons und hilft, zu verstehen, wie sie ihren Weg trotz schwerer Prüfungen, körperlicher Leiden und sanfter Formen von Verfolgung konsequent gegangen sind.
 
Und tatsächlich zeigt dieses bewegende Schicksal des Ehepaares unmissverständlich worauf es im Leben wirklich ankommt: 
 
Nämlich, zum einen, dass Glück und ein erfülltes Leben nicht in erster Linie abhängig ist von Gesundheit oder Besitz und auch nicht von der Anzahl der Lebensjahre, sondern vom Glauben und von der Hingabe an Jesus Christus. 
 
Und dass es in einer Ehe enorm wichtig ist, sich in allen Lebenslagen gegenseitig zu unterstützen und sich dabei auch immer wieder Mut zuzusprechen. 
 
Susannah selbst ermutigte ihren Mann stets, indem sie ihm etwas ganz Entscheidendes riet, nämlich: „Schau auf Jesus!“. 
 
Und das musste sie immer und immer wieder zu ihm sagen, denn Charles litt oft nicht nur unter Krankheiten, sondern auch um Anfechtungen, Anschuldigungen und sogar unter Depressionen.
 
Und wie oft hat ihm dieses „Schau auf Jesus!“ wieder auf die Beine geholfen.
 
Ja und noch etwas zeigt uns das Leben und Wirken von Susannah Spurgeon: 
 
Sie war mit ihrer Stellung als Frau vielen voraus, denn sie hat schon vor weit über hundert Jahren folgendes kapiert und begriffen:
 
Eine Frau definiert sich nicht aus dem, was der Mann ist, nicht aus seinem gesellschaftlichen Stand, nicht aus seinem Vermögen und auch nicht aus seinem Bekanntheitsgrad oder Titel.
 
Hingegen definiert sie sich aus ihrer eigenen Persönlichkeit, mit all den Facetten, die eine Persönlichkeit ausmachen.
 
Die Zeiten sind Gottseidank vorbei, in denen Frauen mit: Frau Doktor, Frau Professor, Frau Lehrer, Frau Pfarrer angesprochen wurden, obwohl dies auch heute noch in so manchen Köpfen verankert ist.
 
Ihr Lieben
 
„Schau auf Jesus!“
 
Dazu will auch ich sie heute ermuntern.
 
Schau auf Jesus, folge seiner Spur. Geh deinen Glaubenszwang unbeirrt weiter, auch wenn‘s manchmal beschwerlich und mühsam ist, denn am Ende des Weges öffnet er uns selbst die Tür: Jesus Christus, der uns nie verlässt, sondern auf den wir uns stets verlassen können: Jesus Christus:
 
„Schau auf Jesus!“
 
Genau zu diesem Thema habe ich auch folgende Geschichte von - wie könnte es anders sein – von Charles Spurgeon gefunden:
 
„Ein Schiffsjunge, der zur See gegangen war, wurde auf der ersten Ausfahrt vom Kapitän gefragt: „Kannst Du auch klettern?“ – „O ja“, meinte der Junge. Er glaubte es zu können, da er daheim ab und zu einen Baum erklettert hatte. Da befahl ihm der Kapitän, den Mast hinaufzuklettern und oben etwas auszurichten. Als nun das Schiff und der Mast stark schwankten, wurde dem Jungen schwindelig und die Angst ergriff ihn, dass er herunterfallen könnte. Der Kapitän, der ihn beobachtete und wohl selbst Angst bekam, der Junge könne fallen, rief ihm zu: „Sieh nach oben – sieh nach oben!!“ Der Junge sah nach oben – und genau das rettete ihn! Er wäre sicherlich abgestürzt, wenn er immer nach unten auf die Wellen geblickt hätte. Das wäre sicher sein Tod gewesen. Aber als er aufblickte, kam alles wieder zurecht.” Soweit die Geschichte. . Sie hat mich natürlich automatisch an die Geschichte mit Petrus im Sturm erinnert.
 
Ihr Lieben
 
Die Blickrichtung macht‘s! Schau nach oben, zu Jesus! Genauso wie es Susannah immer wieder ihrem geliebten Ehemann ans Herz legte. 
 
Ich bin überzeugt, dass dieser Blickwinkel auch für uns von allergrösster Bedeutung ist vor allem dann, wenn unsre Leben wieder einmal ins Wanken gerät, wenn sich Probleme und Sorgen wie hohe Wellen vor uns aufbäumen. Und bei wem passiert das nicht einmal?
 
Schau auf Jesus: Dieser Blickwinkel entscheidet auch darüber, ob wir uns ständig voller Angst und Sorgen aus der Fassung bringen lassen, oder ob wir voller Vertrauen unser Ziel im Blick behalten. 
 
Und natürlich ist auch Satan aktiv, der alles daran setzen wird, unseren Blick von Jesus abzulenken.
 
Eines ist sicher: Eine dauernde einseitige Blickrichtung auf Probleme und auf die schwierigen äusseren Umstände wird uns unwillkürlich ins Wanken bringen, sowie es eben beim Schiffsjungen in Spurgeons Geschichte der Fall war.
 
Nicht umsonst bezeugte schon David (im Psalm 25 (Vers 15)):
 
„Meine Augen sehen stets auf den HERRN; ...“
 
Und im Psalm 34 beschreibt er, was diese Blickrichtung zur Folge hat, nämlich:
 
„Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, ….“. (Psalm 34, 6) 
 
Gottes Hilfe und Eingreifen kommen nicht immer auf Knopfdruck, das hat das Ehepaar Spurgeon auch immer wieder schmerzlich erfahren und das kennen wir alle auch aus eigener Erfahrung. 
 
Aber dass es sich lohnt, trotz all der Stürme und Dürrezeiten unseres Lebens, am Glauben festzuhalten im Vertrauen darauf, dass Gottes Wege immer recht sind - dazu ermutigt uns das Beispiel von der beiden eindrücklich.
 
Gottes Hilfe kommt – vielleicht anders als wir dachten! Aber sie kommt, denn Gott verliert uns und unsere Probleme bestimmt nicht aus dem Auge.
 
Wenn Mose schon bezeugte: „Du bist ein Gott, der mich sieht“, dann wusste er wovon er sprach (1. Mose, 16,13; Jahreslosung 2023)
 
Ihr Lieben
 
Auf einen ganz einfachen Nenner gebracht, lautet die heutige Botschaft: 
 
Bei allem, was wir tun, lasst es uns nicht ohne den Herrn tun. Und bei allen Entscheidungen, die auf uns zukommen: Lasst sie uns nicht ohne den Herrn fällen.
 
Blicke stets auf ihn, halte durch in allen Lebenslagen und lass seine Liebe in dich hinein.
 
Und wenn wir dies wirklich beherzigen, dann werden wir nicht mit leeren Händen dastehen- nicht jetzt und schon gar nicht am Ende unseres Lebens.
 
Es ist genauso wie wir es vorher im Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ gesungen haben:
 
„Nimm Gottes Liebe an
Du brauchst dich nicht allein zu mühen
Denn seine Liebe kann
In deinem Leben Kreise ziehen
Und füllt sie erst dein Leben
Und setzt sie dich in Brand
Gehst du hinaus, teilst Liebe aus
Denn Gott füllt dir die Hand.“
 
Amen