Sadhu Sundar Singh - ein spannendes Leben im Dienst für Jesus | Segensspuren
- 10.08.2025 -
(10. August 2025, Pfarrer i.R. Wolfgang Gehring, Ev. Kirchengemeinde Steinen)
8. Sonntag nach Trinitatis
Sadhu Sundar Singh verließ ein wohlhabendes Zuhause, um Jesus nachzufolgen.
Pfarrer i. R. Wolfgang Gehring erzählt von seinem ungewöhnlichen Lebensweg und fragt, was seine Gedanken über Gottes Liebe, Geduld und Hoffnung uns heute sagen.
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Wer war Sadhu Sundar Singh, und was können wir von seinem Leben für unseren Glauben lernen?
In diesem Sonntagsgottesdienst der Sommerkirche „Segensspuren“ erzählt Pfarrer i. R. Wolfgang Gehring von einem Menschen, der Jesus nachfolgte und seinen Glauben weit über Indien hinaus bezeugte.
Gottesdienst aus der Petruskirche Steinen vom 10. August 2025
Predigt: Sadhu Sundar Singh – ein spannendes Leben im Dienst für Jesus
Biblische Texte
- Psalm 33,13–22
- Matthäus 28,18–20
- Apostelgeschichte 1,8–12
Lieder
- EG 179: Allein Gott in der Höh sei Ehr · CCLI 4337726
- EG 198: Herr, dein Wort, die edle Gabe · CCLI 4834212
- SgidH 91: In Christus ist mein ganzer Halt · CCLI 5292994
- SgidH 76: Herr, im Glanz deiner Majestät · CCLI 4324997
- SgidH 65: Jesus, dein Licht (Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf) · CCLI 5171424
- Ich bin entschieden, zu folgen Jesus · CCLI 7132095
- EG 395: Vertraut den neuen Wegen
Predigt zu: „Sadhu Sundar Singh - ein spannendes Leben im Dienst für Jesus“
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Liebe Gemeinde,
in unserer Sommerkirche beschäftigen wir uns mit Segensspuren: mit Menschen, deren Leben etwas von Gottes Wirken sichtbar werden lässt. Einer dieser Menschen ist Sadhu Sundar Singh.
Ich habe ihn schon in der Jugendarbeit meiner Heimatstadt Essen kennengelernt. Später schenkte mir ein Freund ein umfangreiches Buch mit Schriften über ihn. Seine Widmung lautete sinngemäß:
Lies, prüfe und wähle das Beste. Lass dich aufbauen und ermutigen.
In diesem Sinn möchte ich heute mit Ihnen auf Sundar Singhs Leben schauen: nicht nur, um eine interessante Geschichte zu hören, sondern um etwas für unseren eigenen Glauben zu lernen.
Sundar Singh wuchs in Indien in einer wohlhabenden Familie auf. Sein Vater gehörte dem Sikh-Glauben an, seine Mutter war Hindu. In einer Missionsschule begegnete er dem Christentum, das er zunächst ablehnte. Als Jugendlicher berichtete er von einer Vision, die sein Leben veränderte. Er wurde Christ. Seine Entscheidung führte zum Bruch mit seiner Familie.
Von da an lebte er ohne großen Besitz. Als Sadhu, als religiöser Wanderer, zog er durch Dörfer und erzählte von Jesus Christus. Er reiste wiederholt in den Himalaya und in Richtung Tibet. Später führten ihn Vortragsreisen auch in andere Teile Asiens, nach Europa und darüber hinaus. Von einer Reise, die er 1929 antrat, kehrte er nicht zurück. Was mit ihm geschah, ist nicht bekannt.
Mich beeindruckt an seinem Leben, dass seine Botschaft nicht bei Worten stehen blieb. Sundar Singh nahm Entbehrungen und Gefahren auf sich, weil er Menschen von Jesus erzählen wollte. Die Lesungen aus dem Matthäusevangelium und der Apostelgeschichte erinnern uns an den Auftrag, Zeugen Jesu zu sein. Sundar Singh hat diesen Auftrag auf seine Weise gelebt.
Auf seinen Reisen lernte er auch den Westen kennen. Unser Wohlstand beeindruckte ihn nicht nur. Er sah die Gefahr, dass ein Mensch äußerlich vieles besitzt und dabei innerlich arm wird. Diese Frage betrifft auch uns: Woran orientieren wir unser Leben? Welche Rolle spielen Gottes Wort, das Gebet und die Gemeinschaft mit ihm? Viele Aktivitäten allein beantworten diese Frage noch nicht.
Sundar Singh erzählte von drei Menschen, die auf unterschiedliche Weise mit Gott rangen. Einer lebte in Angst vor dem Gericht. Ein anderer kannte Gottes Liebe, fürchtete aber, sie wieder zu verlieren. Der dritte vertraute Jesus und wollte Gott aus Liebe ehren und dienen. Diese Geschichte führt uns zu einer wichtigen Unterscheidung: Glaube soll nicht aus Angst oder religiösem Druck wachsen. Er darf Antwort auf Gottes Liebe sein.
Gott sucht den Menschen. Er meint uns. Wir dürfen ihm unser Herz öffnen und uns an seiner Liebe freuen. Ich wünsche mir dieses Vertrauen für mich selbst und für unsere Gemeinde. Gott ist mehr als ein Helfer, den wir nur in einer Krise anrufen. Natürlich dürfen wir ihm unsere Sorgen bringen. Aber wir dürfen auch einfach in seiner Nähe leben und uns seiner Liebe freuen.
Ein weiterer Gedanke Sundar Singhs betrifft unsere Ungeduld. Wir möchten Gott verstehen, möglichst sofort. Wir möchten wissen, warum etwas geschieht und wann sich eine schwierige Lage ändern wird. Doch wir begreifen Gott nicht immer in dem Augenblick, in dem wir eine Antwort suchen. Sundar Singh ermutigt dazu, geduldig auf ihn zu warten und zu hoffen. Das ist keine leichte Antwort auf Leid oder offene Fragen. Es ist eine Einladung, auch dann an Gott festzuhalten, wenn unser Verstehen nicht ausreicht.
Schließlich spricht die Predigt über Hoffnung über den Tod hinaus. Sundar Singh beschrieb Eindrücke von einer Wirklichkeit bei Gott. Solche Schilderungen können Fragen auslösen; sie sind nicht dasselbe wie eine genaue Beschreibung dessen, was wir selbst sehen könnten. Für mich ist dabei vor allem die Zusage Jesu wichtig, von der das Johannesevangelium spricht: dass er den Seinen einen Platz bereitet.
Dieser Gedanke ist für mich persönlich bedeutsam geworden. Nachdem unser Sohn Stefan tödlich verunglückt war, fand ich in den Schriften Sundar Singhs Trost. Wenn wir im Gottesdienst gemeinsam singen, denke ich auch an die, die uns vorausgegangen sind und bei Jesus leben. Die Trauer darüber, dass Stefan nicht mehr bei uns ist, bleibt. Zugleich trägt mich die Hoffnung, dass er bei Gott geborgen ist.
Diese Hoffnung nimmt uns das Leben hier nicht weg. Wir dürfen uns an dem freuen, was Gott uns schenkt. Wir müssen nicht alle so leben wie Sundar Singh. Aber wir können uns von seiner Entschiedenheit fragen lassen: Suchen wir Gott? Vertrauen wir seiner Liebe? Dienen wir Jesus gern – nicht, weil wir müssen, sondern weil wir zu ihm gehören dürfen?
Im Kolosserbrief heißt es, dass in Christus alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen liegen. Mögen wir diese Schätze immer neu suchen und dabei Spuren seines Segens entdecken.
Der Friede Gottes und die Nähe Jesu seien mit uns allen.
Amen.