Robert Baden-Powell - Der Pfadfinder Gottes | Segensspuren
- 03.08.2025 -
7. Sonntag nach Trinitatis
Natur erleben, Verantwortung übernehmen und anderen helfen: Robert Baden-Powells Pfadfinderidee reicht über das Zeltlager hinaus.
Pfarrer Ingo Meißner fragt, was ihre drei Grundsätze mit Jesu Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zu tun haben.
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Was haben Pfadfinderregeln mit Jesu Gebot der Liebe zu tun? Pfarrer Ingo Meißner folgt in dieser Predigt den Spuren von Robert Baden-Powell, dem Gründer der Pfadfinderbewegung.
Im Mittelpunkt stehen drei Grundsätze:
Verantwortung gegenüber Gott, gegenüber anderen und gegenüber sich selbst.
Die Predigt verbindet sie mit Matthäus 22, 37 - 39 und fragt, wie Glaube im Alltag sichtbar wird: im Umgang mit Menschen, mit der Natur und mit uns selbst. Auch Baden-Powells Offenheit gegenüber anderen Religionen wird angesprochen und aus christlicher Sicht eingeordnet.
- Bibeltext: Matthäus 22, 37 - 39
- Reihe: Sommerkirche „Segensspuren“
Predigt zu „Robert Baden-Powell - Der Pfadfinder Gottes“
Sommerkirche
(3. August 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Einer, für den Natur ganz wichtig war und der Wildnisfähigkeiten liebte und vermittelte war Robert Baden-Powell.
Dieser Baden-Powell startete eine ganze Outdoor-Bewegung. Sie entstand kurz nach der letzten Jahrhundertwende, so ab ca. 1907: es waren die sogenannten „Boy Scouts“. Also die „Jungen-Kundschafter“.
Von ihm leiten sich alle Pfadfinder weltweit ab. Die Pfadfinder sind die größte Jugendbewegung auf der Welt. Je nach Quelle im Internet zählen heute zu den unterschiedlichsten Pfadfindergruppen zwischen 30 und 35 Millionen vor allem Jungen und Mädchen. Irgendwo habe ich gelesen, dass anscheinend nur in 5 Ländern dieser Erde KEINE Pfadfindergruppen organisiert zu finden sind.
In allen Pfadfindergruppen zählen dieselben Werte und Regeln, die auf den Gründer Baden-Powell zurück zu führen sind.
Der Engländer prägte so nicht nur eine riesige Zahl Jugendlicher damals, sondern bis heute leiten sich alle Gruppen irgendwie von ihm ab und versuchen den vor mittlerweile rund 120 Jahren entwickelten Grundsätzen zu folgen.
Es sind diese drei Grundprinzipien:
- Verantwortung gegenüber Gott (duty to god)
- Verantwortung gegenüber anderen (duty to others)
- Verantwortung gegenüber sich selbst (duty to yourself)
Drei Dinge, die wir heute auch für uns wichtig sein können - auch wenn wir keine Pfadfinder sind und wo wir von diesem einflussreichen Mann noch etwas lernen können.
Das Thema für heute heisst also nach diesem ersten Grundsatz: „Robert Baden-Powell – Der Pfadfinder Gottes“
Wer war dieser besondere Mann?
Robert Stephenson Smyth Baden Powell wird am 22.02.1857 in London als zwölftes von vierzehn Kindern geboren. Sein Vater stirbt früh und Robert entwickelt schnell einen hohen Grad an Verantwortungsbewußtsein.
Während seiner Zeit in einem britischen Internat nutzt er jede Möglichkeit, Pflanzen- und Tierwelten kennenzulernen.
Nach seinem Abschluß bewirbt er sich als Offiziersanwärter beim Militär und wird bei der Aufnahmeprüfung zweiter von 717 Bewerbern.
Seinen ersten richtigen Einsatz erlebt er in Indien und entdeckt hier seine Vorliebe für den Dschungel.
Durch seine vielen Begabungen ist er beliebt bei seinen Kameraden und Vorgesetzten.
Er bekommt nun ein Ausbildungsregiment für Kundschafter seinen Obhut und kann hier seine Führungsqualitäten beweisen.
Er diente anschliessend an zahlreichen Orten in Indien und Afrika als Soldat.
Schon früh erkannte er die Vorteile von dem, was wir heute „Führen durch Vorbild“ nennen. Anstatt seinen jungen Soldaten nur Befehle zu erteilen, gab er ihnen Tipps und schaffte es sie zu den Aufgaben zu motivieren. Ebenso ließ er ihnen die Möglichkeit selbst einen Lösungsweg für ein Problem zu finden und schrieb ihnen keinen starren Lösungsweg vor.
Seine Erfahrungen als Kundschafter fasste er in seinem ersten Werk „Hilfen zum Kundschafterhandwerk“ oder „Aids für Scouting“ zusammen.
Zu miltärischer Berühmtheit in England kam er durch ein Erlebnis im 1899, wo er wieder einmal in Südafrika als Leiter zweier großer Einheiten eingesetzt war.
Damals gab es immer wieder Stress mit den sogenannten Buren, die ursprünglich aus Holland kamen und über Jahre dort siedelten und große Ländereien hatten. Sie standen im Konflikt mit der Kolonialmacht England, die ebenfalls Führungsansprüche dort hatten. Es gab zwei sogenannte Burenkriege, in denen Engländer gegen die Buren kämpften. Im zweiten dieser Kriege spielt dieses Ereignis. In der Stadt Mafeking.
Baden-Powell wurde in dieser Stadt von den Buren eingeschlossen. 2.000 seiner Leute standen tapfer gegen 9.000 Buren. Während dieser Belagerungszeit bildet er Jugendliche für Kundschafter- und Botentätigkeit aus und ist über die Ergebnisse mehr als erfreut. Durch viel Geschick gelang es ihm über 200 Tage dort standzuhalten, bis die Buren dann durch Hilfstruppen vertrieben wurden und die Stadt befreit war.
Er wurde er in England zum Nationalhelden und wurde sogar von der Königin zum Generalmajor befördert.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat stellte er fest das zahlreiche Jugendliche sein Buch „Aids to Scouting“ gekauft hatten. Er beschließt ein zweites Buch zu schreiben: „Scouting for Boys“. „Kundschaften für Jungs.“
Die Inhalte des Buches möchte er aber vor Veröffentlichung ausprobieren und so beschließt er 1907, ein Zeltlager mit Jungen aus allen Bevölkerungsschichten durchzuführen.
Die Jungen werden in Kleingruppen aufgeteilt, die für sich selbst Verantwortung übernehmen mußten. Neben Dingen wie Feuer machen, der Umgang mit Karte und Kompass und der Ernährung in der Wildnis, standen auch Fährtenlesen und die Errichtung eines Unterschlupfs auf dem Plan.
Neben dem Leben in der Natur war ein weiterer Punkt, der Baden-Powell am Herzen lag jedoch auch die Erziehung und Selbsterziehung der ihm anvertrauten Jugendlichen.
Selbständigkeit und Ordnung sollten sie lernen körperlich wie geistig zu ertüchtigen und zu eigenständigem Denken zu animieren.
Das Lager wurde ein voller Erfolg und schon bald darauf gründeten sich in ganz England Pfadfindergruppen, um sich in den pfadfinderischen Fertigkeiten zu üben. Aus der Erfahrungen des Lagers stellte er dieses Buch „Scouting for Boys“ zusammen.
Dieses Buch verbreitete sich unter Jugendlichen rasend schnell. Schon zwei Jahre später, 1909, erscheint es in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern. Aufgrund dieses Buches entstehen überall auf der Welt Pfadfindergruppen.
1911 gründet sich der Deutsche Pfadfinderbund (DPB), 1912 der Deutsche Pfadfinderbund für junge Mädchen.
Die Pfadfinderverbände werden 1933 von Nazis verboten, da sie die HJ als Deutsche Jugend untergräbt.
Doch nach dem zweiten Weltkrieg entstanden auch in Deutschland wieder schnell Pfadfinderverbände, die es bis heute gibt. Katholische Pfadfinder, evangelische Pfadfinder und auch freikirchliche Pfadfinder, die sogenannten „Royal Rangers“ gibt es bis heute. Und auch in unserer Gemeinde gibt es Jugendliche, die bei den Pfadfindern aktiv sind und versuchen nach den Grundsätzen vom Gründervater zu leben.
So weit mal zu Baden-Powell und der Geschichte.
Baden-Powell war Christ. Er war Glied der anglikanischen Kirche und so schon von klein auf mit biblischen Inhalten bekannt gemacht worden. Das, was er als Kern biblischen Botschaft erkannte, kann man in eben diesen drei Grundsätzen beschreiben:
1. Verantwortung gegenüber Gott
2. Verantwortung gegenüber anderen
3. Verantwortung gegenüber sich selbst
Bibelkennern kommen diese drei Grundsätze durchaus bekannt vor. Und zwar aus dem sogenannten Doppelgebot der Liebe. Oder besser dem Dreifachgebot der Liebe (Mt 22,37-39): ›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!‹ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber das zweite: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!‹
Doch wieder zurück zu Baden-Powell: Nehmen wir einmal ein Zitat aus seinem Buch „Scouting for Boys“.
Er schreibt dort sinngemäß: „Wir streben danach, dass Christsein in ihrem Leben (dem „seiner“ Jungs) jeden Tag in ihren Taten deutlich wird und nicht nur durch den Besuch des Sonntagsgottesdienstes.“
Man könnte kurz gefasst formulieren: „Christsein muss gelebt sein - nicht nur am Sonntag“
Etwas allgemeiner schrieb er dort auch:
„Kein Mensch ist wirklich gut, es sei denn er glaubt an Gott und gehorcht seinen Regeln. Jeder Scout sollte also eine Religion haben. Und Religion könnte man einfach so beschreiben: Zuerst - liebe und diene Gott. Und zweitens - liebe und diene deinem Nächsten.“
Seine Hoffnung war, dass die Jungen zu Männern heranwachsen, die Mut mit Weisheit verbinden. Stärke, die aber von Demut getragen ist. Und dass sie ihre Ehre darin setzen, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit zu üben und Gott zu lieben. Jede bestandene Prüfung in der Natur, jede Fähigkeit die sie erlernen und jede Wildnislektion soll sie dazu formen, in ihrer Familie, in ihrer Gemeinde und in ihrem geschaftlichen Umfeld anderen zu dienen.
Christsein soll also im Leben deutlich werden. Und nicht theologische Theorie bleiben.
Der Apostel Paulus lässt hier grüßen. Er schreibt ja davon, dass wir Christen ein Wohlgeruch Christi sein sollen in unserem Umfeld. Nicht nur in der Gemeinde. Und dass wir ein Brief sind, der von allen Menschen gelesen wird. Und sie uns nach unseren Taten beurteilen und nicht nur nach den Worten, die wir reden.
Es gibt diesen Satz: „deine Taten reden lauter als deine Worte“. Und Baden-Powell wollte eben zur guten Tat anleiten und nur gute Lehren verbreiten.
Doch Baden-Powell war schon damals nicht unumstritten in der christlichen Welt.
Die Pfadfinderbewegung verbreitete sich ja nicht nur im christlich geprägten Ländern, sondern auch in anderen Ländern mit einer anderen Religion.
Dies hatte auch seinen Grund in den Lehren von Baden-Powell. Die Basis bei ihm war zwar die Liebe zu Gott und zum Nächsten, doch die kann sich nach Baden-Powell eben auch in allen Religionen und Denominationen ausdrücken und ist nicht exklusiv christlich. Letztlich sei ist jede Form von ausgeübter Religion, wenn sie den eben beschrieben Grundsätzen folgt, zu achten und zu respektieren.
In einer späteren Schrift kann er so auch formulieren:
„Egal, welcher Sekte oder Denomination ein Junge angehört, ist Sache seiner Eltern. Sie entscheiden es letztlich. Unsere Aufgabe ist es, deren Wünsche zu respektieren und die Jungs darin zu begleiten, Ehrfurcht vor jeder Religion zu entwickeln.“
Powell sah sich also nicht als Missionar, der Menschen in die Nachfolge von Jesus führen möchte. Denn die christlichen Grundprinzipien sah er auch in anderen Religionen verwirklicht und konnte diese auch so stehen lassen.
Ob er damit wirklich den Kern auch der anderen Religionen korrekt beschrieben hat, wage ich zu bezweifeln. So eben auch andere Christen schon zu seiner Zeit.
Denn das Gottes- und Menschenbild im Islam, oder Buddhismus, oder auch Hinduismus ist doch ein anderes, wo z.B. eben nicht jeder Mensch gleich wertvoll und geachtet und zu lieben ist. Doch würde es zu weit führen, dies hier jetzt weiter auszuführen.
Er war und blieb aber Christ, seiner Kirche und Gott verbunden. Er war ein Pfadfinder Gottes. Nur eben mit einem großen Herz und Verständnis für andere Formen der Gottgläubigkeit. Aber vielleicht muss man ihm das jetzt auch nicht zum Vorwurf machen. Sondern seine christlichen Grundsätze sind klar und deutlich und sein Anliegen, junge Menschen zu gottgefälligen Nachfolgern zu machen sind bleiben davon ungeschmälert.
Spannend fand ich beim Lesen über ihn auch, wie er „geistliches Lesen“ versteht. Nämlich in zweifacher Hinsicht.
Wichtig ist ihm sowohl das Lesen in der Bibel. Die Bibel ist der Ort, wo wir uns über die Grundsätze des guten Lebens und des guten Miteinanders informieren können. Und diese auch beherzigen sollen. Also Gottes Regeln auch gehorchen.
Aber lesen kann man nach Baden-Powell im großen Buch der Natur.
Wenn wir uns in der Natur bewegen, staunen, wie alles großartig geschaffen ist, ineinander greift, aufeinander bezogen ist. Und auch so auf Gott und seine Realität im Leben immer wieder hingewiesen werden.
In jedem Sonnenaufgang. In den Bergen. Am Meer. In der Wüste. Überall kann man Gottes Wirken erahnen, wenn wir nur wollen.
Und das ist etwas, was wir ja auch so erleben können. Mir geht es zumindest immer wieder so, wenn ich in der Natur unterwegs bin, draussen übernachte, wandere, paddele oder auch Rad fahre.
Überall können wir Gottes Handschrift erkennen, wenn wir uns darauf einlassen. Und selbst die kleine Blume am Wegesrand kann uns in Staunen versetzen, wie kunstvoll und schön sie zusammengesetzt ist.
Und wie dadurch ich eben auch Ehrfurcht vor dem Schöpfer, bekomme, der hinter allem steht.
Der nicht nur die Welt geschaffen hat und immer noch in der Hand hält, sondern auch mich ganz persönlich. Mit uns durch dick und dünn gehen möchte und nie weiter entfernt ist als ein Gebet.
Wo wir neu das erste Mal oder wieder eine Liebe zu Gott entwickeln können.
Zu unserem guten Gott, zu seinem Sohn Jesus Christus, der an jedem einzelnen interessiert ist. An dir und an mir.
Der eine Beziehung zu uns haben möchte. Wo wir nicht nur eine Nummer unter vielen sind. Sondern jeder ist geliebt, gewollt und geachtet.
Der ja nicht nur mich trägt und liebt, sondern auch meinen Nächsten. Wer auch immer das ist. Sodass eine Liebe auch zu unseren Nächsten in uns wachsen kann. Wo wir durch seine Hilfe auch Menschen lieben und achten können, die so gar nicht auf unserer Wellenlänge sind.
Und wenn er mich liebt und achtet – wie kann ich dann achtlos mit mir selber umgehen und mich selbst nicht lieben und meinem Körper Schaden zufügen?
Wo ich mich dann auch selber lieben und achten darf.
Wie lauten nochmals die Grundsätze von Baden-Powell und der Pfadfinderbewegung?
- Verantwortung gegenüber Gott
- Verantwortung gegenüber anderen
- Verantwortung gegenüber sich selbst
Oder mit den Worten Jesu gesprochen, wo er nach dem höchsten Gebot von allen gefragt wird (Mt 22,37-39):
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!‹ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber das zweite: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!‹“
Amen